Lilien - Darmstadt 98
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21. Oktober 2012

Darmstadt 98: Die Angst geht um bei den Lilien

 Von Sebastian Rieth
Sauer auf das Publikum: Trainer Jürgen Seeberger. Foto: Huebner/Einbock

Der SV Darmstadt 98 befindet sich nach der Pleite gegen Dortmund mitten im Abstiegskampf. Trainer Seeberger legt sich wegen der Nörgeleien während des Spiels mit dem Publikum an.

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Der SV Darmstadt 98 befindet sich nach der Pleite gegen Dortmund mitten im Abstiegskampf. Trainer Seeberger legt sich wegen der Nörgeleien während des Spiels mit dem Publikum an.

Jürgen Seeberger wirkte nur nach außen hin ruhig, tief in ihm drin brodelte es. Fast schon apathisch rührte der 47-Jährige mit einem kleinen Silberlöffel minutenlang seinen Kaffee um und zog die Mundwinkel weit nach oben, ehe ihm auf der Pressekonferenz nach dem 1:2 (1:0) gegen den Tabellenletzten Borussia Dortmund II das Wort erteilt wurde. Endlich konnte er – noch keine sieben Wochen beim SV Darmstadt 98 im Amt – das loswerden, was ihm tierisch unter den Fingernägeln brannte. In ruhigem, aber eindringlichem Tonfall kanzelte der neue Trainer die Zuschauer am Böllenfalltor mit ihrer völlig überzogenen Erwartungshaltung ab. Anscheinend sei die aktuelle Lage des Drittligisten noch nicht jedem bewusst, sagte Seeberger. „Wir sind im absoluten Abstiegskampf. Punkt. Das müssen die hier einfach mal akzeptieren.“

Der Coach störte sich nicht etwa an den Pfiffen nach Spielschluss, damit muss man als Profi, der aus den vergangenen vier Partien nur einen Punkt geholt und wieder auf den drittletzten Tabellenplatz abgerutscht ist, schlichtweg leben. Dass aber selbst nach dem Führungstor von Andreas Gaebler per verwandelten Foulelfmeter (13.) keine Zufriedenheit einkehrte, fuchste Seeberger.

Fast schon elitäre Ansprüche

„Sie hätten am liebsten gewollt, dass wir mit 3:0, 4:0 in der Halbzeit vorne liegen.“ Die Wahrnehmungen des Trainers sind nicht zu bestreiten. In der Tat nörgelte das Publikum auch nach dem 1:0, es wurde gemeckert, jeder noch so kleine Fehler mit einem Raunen bestraft. In Darmstadt haben nach dem Regionalliga-Aufstieg vor zwei Jahren wohl einige vergessen, wo der Verein herkommt. Die Ansprüche mancher Zuschauer wirken fast schon elitär.

„Wir müssen uns hier in Darmstadt eines vor Augen halten“, sagte Seeberger. „Wir sind bis Weihnachten und wahrscheinlich auch bis zum Ende der Saison damit beschäftigt, den Abstieg zu vermeiden. Das muss heute auch der Hinterletzte verstanden haben.“ Angesichts der schwachen Leistung gegen die mit nur drei Ersatzspielern angereisten Dortmunder dürfte das gelungen sein. Bei den 98ern geht die Angst um – auch ein Resultat der überzogenen Ansprüche.

"Es fehlte die Lockerheit"

„Die Mannschaft hatte Angst vor dem Versagen“, erkannte Seeberger. Nach dem 1:1 von Balint Bajner in der 54. Minute habe niemand mehr den Ball verlangt. „Das war nur noch Stückwerk.“ Die Mannschaft bettelte förmlich darum, wenige Sekunden vor Schluss durch einen wunderbaren Distanzschuss von Ensar Enes Baykan bestraft zu werden. „Wir haben zu verkrampft gespielt, es fehlte die Lockerheit“, sagte Stürmer Marcus Steegmann. Auch er sprach von Angst. Diese sei schon einen Tag zuvor im Training zu spüren gewesen, erzählte Seeberger. Alles sei ein bisschen unruhiger abgelaufen. Steegmann versichert: „Wir haben begriffen, worum es geht.“ Jetzt muss das in Darmstadt nur noch jemand dem Publikum beibringen.

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