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Lilien - Darmstadt 98
Spielberichte und Interviews zu den Lilien, News und Hintergründe zu Darmstadt 98.

19. November 2012

Darmstadt 98: Wie ein Schlag ins Gesicht

 Von Sebastian Rieth
Benjamin Gorka (links) im Zweikampf mit Jens Möckel. Foto: imago

Die Niederlage gegen Kellerkind Rot-Weiß Erfurt macht wieder einmal deutlich, dass die blutarme Mannschaft des SV Darmstadt 98 den Aufgaben in der dritten Liga nicht gewachsen ist

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Danny Latza war der Erste, der es auf den Punkt brachte. „So steigt man ab“, blaffte der Mittelfeldspieler des SV Darmstadt 98 beim Gang in die Kabine. Widersprechen wollte ihm niemand. Bereits zum zweiten Mal binnen weniger Wochen vergeigte die Mannschaft ein Heimspiel gegen einen Tabellenletzten, mit der Konsequenz, dass man nun selbst ganz unten steht. „Die Tabelle sagt alles aus. Was soll man da im Moment noch Gutes finden?“, fragte Trainer Jürgen Seeberger nach der 0:1 (0:0)-Niederlage gegen Rot-Weiß Erfurt in die Runde. Eine Antwort bekam er nicht.

Völlig überfordert

Denn die Darbietung der Lilien war – mit Ausnahme der Schlussminuten, in denen Cem Islamoglu fast noch den unverdienten Ausgleich erzielt hätte – schlichtweg nicht tauglich, um in dieser Klasse zu bestehen. Das gilt für sämtliche Mannschaftsteile: Die Außenverteidiger Marc Schnier und Michael Stegmayer waren mit dem quirligen Erfurter Stürmer Smail Morabit, der folgerichtig das Tor von Dominick Drexler vorbereitete (64.), völlig überfordert.
Das Mittelfeld blieb blass, kaum jemand verlangte den Ball oder wusste damit etwas Gescheites anzufangen. Und vorne hängt Marcus Steegmann, der trotz 871 Minuten Einsatzzeit weiter auf sein erstes Saisontor wartet, total in der Luft. Es ist einzig Torhüter Jan Zimmermann, der aus dieser blutarmen Mannschaft herausragt und den Ansprüchen der dritten Liga genügt. „Das ist ein Schlag ins Gesicht. Es tut weh“, zeigte sich Zimmermann entsprechend verärgert.

Spürbare Verunsicherung

Augenscheinlich ist das Team für diese Spielklasse nicht gut genug – und Seeberger hat sie seit seinem Amtsantritt im September nicht besser gemacht. Trotzdem wollte der Trainer die Qualitätsfrage noch nicht stellen. Lieber zieht der 47-Jährige die Verunsicherung bei seinen Spielern als pauschales Grundübel der Misere heran. „Die Angst vor dem Verlieren war größer als die Lust zu gewinnen“, sagte er. Wieder einmal.
Schon seit Wochen philosophieren Coach und Spieler über das Phänomen der schlotternden Knie – allein geändert hat sich nichts. Doch ist nicht exakt das die Aufgabe eines Trainers? „Vielen Dank für den Hinweis. Ich werde es beherzigen“, reagierte Seeberger schnippig. Zuletzt ist der gebürtige Konstanzer massiv in die Kritik geraten, nach dem Schlusspfiff forderten einige Fans seine Ablösung. Er treffe nicht den richtigen Ton im Umgang mit den Spielern, heißt es. Das war auch schon 2009 nach seiner Entlassung in Aachen zu hören. „Ich hege keine Abneigung gegen ihn“, bekräftigte Zimmermann und fügte an: „Ich möchte aber auch nicht generell für alle anderen sprechen.“ Wenn ein Kapitän seine Aussage so einschränkt, dann lässt das Raum für Spekulationen.
Präsident Rüdiger Fritsch hält aber an Seeberger fest. Das leuchtet ein. Schließlich war es die erste große Personalie, die noch kurz vor Beginn der Amtszeit über seinen Schreibtisch ging. Fritsch glaubt, dass die zwei angedachten Verstärkungen in der Winterpause das Ruder rumreißen, und sagt: „Wir können nicht alle paar Wochen den Trainer wechseln. Er steht ja nicht auf dem Platz.“ Man hat auch schon überzeugendere Argumente gehört.

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