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Lilien - Darmstadt 98
Spielberichte und Interviews zu den Lilien, News und Hintergründe zu Darmstadt 98.

13. Oktober 2015

Interview: "Das ist im Fußball selten"

 Von 
Robert Erbeldinger will künftig Ärzte, Therapeuten und Trainer im Spitzensport zusammenbringen.  Foto: PRD

Robert Erbeldinger, diplomierter Sportwissenschaftler, über vegane Ernährung bei Sportlern und die Zusammenarbeit mit dem SV Darmstadt 98.

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Robert Erbeldinger (37) ist diplomierter Sportwissenschaftler und zusammen mit Joachim Messner (Fachanwalt für Medizinrecht) Geschäftsführer der Firma „thesportgroup GmbH“, die neuerdings aus Mainz die „Sportärztezeitung“ mit einer ersten Auflage von mehr als 7000 Exemplaren für ein Fachpublikum herausgibt. Sie sieht sich als Bindeglied zwischen Ärzten, Therapeuten und Trainern und besitzt einen 19-köpfigen Beirat, in dem Wissenschaftler, Mediziner, Mannschaftsärzte wie auch Physiotherapeuten die einzelnen Fachgebiete vertreten.

In der ersten Ausgabe ihrer „Sportärztezeitung“ nimmt die Prävention einen großen Raum ein. Warum?
Die Prävention ist das zentrale Thema der letzten Jahre! Viele denken bei Sportmedizin und -ärzten immer zuerst an eine Operation oder Rehabilitation, aber noch nicht immer an Prävention. Wir wollen die Therapie, Rehabilitation und Prävention enger zusammenbringen und die Systeme sinnvoller ausschöpfen. Die Vermeidung von Erkrankungen (Prophylaxe) kann beispielsweise schon mit einer gesunden Ernährung geschehen.

Viele treiben hierzulande aber Sport erst, wenn Sie körperliche Probleme haben.
Genau hier wollen wir ansetzen. Sport hat zwar den Ruf, dass ihn jeder betreiben kann. Aber wer damit erst mit 35, 40 Jahren beginnt, um etwa gegen Übergewicht oder Bluthochdruck vorzugehen, der kann gravierende Probleme bekommen. Ohne eine sportmedizinische bzw. kardiologische Untersuchung ist das nicht ratsam. Wir sind mit der Sportmedizin zwar weiter als vor zehn Jahren, dafür haben wir aber auch mehr übergewichtige Kinder oder Menschen mittleren Alters, die so zwischen Beruf und Familie eingebunden sind und unter so starkem Leistungsdruck stehen, dass sie die Bedeutung von Gesundheitsprävention vernachlässigen. Hier sehen wir ein breites Beratungsfeld. Etwa mit Botschaften wie diesen: Fangt nicht erst mit Sport an, wenn die Waage sieben Kilo zu viel anzeigt oder die Bandscheibe schon kaputt ist.


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Was können Sie leisten?
Indem wir zu einem funktionellen, angepassten Training raten; wir geben ein Tool an die Hand. Wer lange nicht trainiert, Übergewicht oder gar Herzprobleme hat, kann nicht einfach loslegen. Und wer aus früherer Vergangenheit etwa beim Fußball einen Knieschaden hat, sollte vermutlich auch nicht dreimal die Woche laufen gehen, sondern etwas anderes wählen. Hier können Sportmediziner und Therapeuten ganz allgemein helfen.

In der ersten Ausgabe wird die vegane Ernährung für Profifußballer aus wissenschaftlichem Blickwinkel beleuchtet. Nach neuesten Studien ernähren sich bereits fast eine Million Bürger in Deutschland auf diese Weise. Warum haben Sie dieses Thema gewählt?
Keiner von uns will sagen, Veganer ernähren sich besser. Aber es ist ein rasanter Trend, der sich sogar im Profifußball wiederfindet. Gerade Profisportler dürfen keine einseitige Ernährung haben, die sogar zu einem Nährstoffmangel führen kann. Deshalb war es wichtig, das Thema wissenschaftlich abzudecken. Es ließ sich am Beispiel des SV Darmstadt 98 nachweisen, dass die vegane Ernährung teilweise sogar zu positiven Auswirkungen führen kann.

Sie haben hinter die Kulissen beim SV Darmstadt 98 und FSV Mainz 05 geschaut. In Darmstadt haben Sie Trainer Dirk Schuster über das Potenzial von Prävention und Regeneration befragt und sind auf sehr professionelles Vorgehen gestoßen. In Mainz organisieren Sie am 14. November einen Workshop für Spitzenmedizin im Leistungssport. Welchen Eindruck haben Sie von den beiden Bundesligisten gewonnen?
In beiden Vereinen wird interdisziplinär hervorragend gearbeitet. Das Zusammenwirken zwischen dem Trainerstab, den Mannschaftsärzten, den Therapeuten und den Einrichtungen von außen funktioniert, weil man miteinander kommuniziert. Nur wenn das Hand in Hand geht, wenn die Verantwortlichen bereit sind, Kompetenzen abzugeben, kann so etwas wie in Darmstadt geschehen: Der Verein hat seit fast zwei Jahren kaum Muskelverletzungen zu beklagen. Die Zahl der Verletzungen ist äußerst gering dort. Das ist im Fußball selten. Das ist kein Zufall.

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Arbeiten andere Verein da schlechter?
Schlechter weiß ich nicht, anders vielleicht! Sicherlich gibt es Klubs, in denen die Abstimmung nicht so gut läuft, die Information zu spät ankommt. Oder die Spieler gehen zu anderen Ärzten ihrer Wahl, mit denen der Vereinsarzt nicht kommuniziert. Das birgt Risiken.

Interview: Frank Hellmann

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