Klein anfangen, Schritt für Schritt größer werden und wieder die Tür zum Spitzen-Eishockey aufstoßen: Dies ist die Strategie der Young Lions vor dem ersten Bully in der neuen Frankfurter Eishockey-Ära, nachdem die „großen Lions“ und damit der professionelle Pucksport in diesem Sommer beerdigt wurden. In der Saison 2010/2011 werden die Young Lions in der viertklassigen Regionalliga-West antreten. Nachdem seit Anfang August zur Vorbereitung in der Eishalle im 80 Kilometer entfernten Diez bei Limburg trainiert wurde, steht vom kommenden Wochenende an endlich wieder der glatte Untergrund in der heimischen Arena am Bornheimer Hang bereit.
Bis es ernst wird, bleibt noch etwas Zeit. Zum Saisonstart müssen die Frankfurter Puckjäger am 1. Oktober im Siegerland beim EHC Netphen 08 antreten und zwei Tage später beim EHC Troisdorf. Das erste Heimspiel steigt am 10. Oktober um 18.30 Uhr gegen den Iserlohner EC. Die anderen Kontrahenten in der Regionalliga West heißen EHC Neuwied, RSC Darmstadt und Herforder EV.
Den Weg in die Oberliga, für die sie sportlich qualifiziert waren, den haben die Young Lions beim „Neustart“ des Frankfurter Eishockeysports indes ausgeschlagen. Für die Etage darunter sprachen neben wirtschaftlichen Erwägungen wie dem überschaubaren Etat von etwa 50000 Euro vor allem sportpolitische Überlegungen. „Um in der Oberliga mitzuspielen, hätten wir ein komplett neues Team auf die Beine stellen müssen. Das wollten wir nicht. Wir möchten erst einmal auf Legionäre verzichten. Wir wollen kein wirtschaftliches Risiko eingehen, sondern seriös und mit Augenmaß wirtschaften“, sagt Axel Erk, der Sprecher des Verwaltungsrates der Young Lions, mit Blick auf die 23 Spieler im Kader, die ausschließlich Amateure sind.
Interessengruppe um Ex-Profi Michael Bresagk zieht im Hintergrund die Fäden
Bei den zwei Keepern, sieben Verteidigern und 14 Stürmern in der Mannschaft von Trainer Andrej Jaufmann dominieren ganz klar die Jahrgänge 1986 bis 1990. Einmal leitete sogar Ex-Lions-Coach Rich Chernomaz das Training in Diez, der derzeit keinen neuen Klub hat. Eine „feste Größe“, so Erk, sei Chernomaz bei den weiteren Planungen nicht. Ungeachtet dessen sind die sportlichen Ziele anspruchsvoll. „Wir wollen nicht nur mitspielen, sondern möglichst vorneweg marschieren.“
Damit dies gleich beim Start gelingt, wollen die Fans zum ersten Heimspiel für eine Sympathiebekundung der unübersehbaren Art sorgen. Die Halle soll mit über 5000 Zuschauern ausverkauft sein, das wäre auf Anhieb ein Ligarekord. Wie teuer die Tickets sein werden und ab wann sie zu haben sind, das steht noch nicht genau fest. Erk zufolge werden diese Details im Laufe der nächsten Woche bekanntgegeben. Erfreulich sei, dass von Seiten der Lions-Anhänger „ein Riesenrückenwind zu spüren ist“. Ganz handfest spiegelte sich dies etwa in einer Privatspende in Höhe von 10000 Euro wieder. Damit und mit der Hilfe eines Pools mit einem halben Dutzend Sponsoren kann das Budget für die anstehende Eiszeit seriös gestemmt werden. Hinzu kommen Erlöse aus der Vermarktung der Bande in der Eishalle. Die Stadt hat die Erlaubnis gegeben. „Wir sind momentan dabei, gemeinsam eine Wunschliste des Vereins abzuarbeiten. Das reicht von zusätzlichen Umkleidekabinen und Abstellräumen in der Eishalle bis zu Werbeeinnahmen und Möglichkeiten, gemeinsam Sponsoren zu suchen“, sagt Frankfurts Sportdezernent Markus Frank. „Die Young Lions werden kaufmännisch grundsolide geführt. Sie wollen eher langsam, aber sicher wachsen. Dies unterstützen wir entsprechend unserer Möglichkeiten.“
Eine besonders wichtige Aufgabe beim angestrebten Aufschwung wird eine so genannte Interessengruppe mit dem Ex-Profi Michael Bresagk an der Spitze übernehmen. Als Kopf und Integrationsfigur soll die Gruppe um das „Lions- Urgestein“ im Hintergrund die Fäden bei der Vermarktung ziehen, konzeptionell die Weichen für die personelle Zukunft des Teams stellen und damit für den Neuaufbau des Eishockeysports in Frankfurt ganz entscheidend das Eis bereiten. „Ein bisschen ist es jetzt so wie vor 20 Jahren“, bemüht Erk die Historie. 1991 fingen die „Löwen“ ebenfalls ganz niedlich an, schafften 1994 den Sprung in die DEL und feierten zehn Jahre später die deutsche Meisterschaft. Vielleicht gelingt der Coup ja ein zweites Mal.
| Mannschaft | Tore | Punkte | |||
|---|---|---|---|---|---|
| 1 | EC Bad Nauheim | 79:36 | 36 | ||
| 2 | EV Duisburg | 63:37 | 33 | ||
| 3 | Kassel Huskies | 78:44 | 29 | ||
| 4 | EHC Dortmund | 68:42 | 28 | ||
| 5 | Löwen Frankfurt | 54:51 | 18 | ||
| 6 | Königsborn Bulldogs | 36:79 | 12 | ||
| 7 | Hammer Eisbären | 33:70 | 6 | ||
| 8 | Ratinger Ice Aliens | 36:88 | 6 | ||
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