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Frankfurt Lions: Trinkbecher ohne Eis

Von den Frankfurt Lions ist nicht viel übrig geblieben. Trainer Chernomaz kümmert sich um seine kranke Frau und wartet auf Angebote.

Bitte nicht klingeln: Bei den Frankfurt Lions ist keiner mehr zu Hause.
Bitte nicht klingeln: Bei den Frankfurt Lions ist keiner mehr zu Hause.
Foto: Andreas Arnold

Ein blauer Plastik-Trinkbecher mit dem Logo des Klubs und einem stilisierten Eishockeyspieler: Anfangsgebot ein Euro, Nachfrage Null. Ist das alles was vom ehemaligen deutschen Meister und Gründungsmitglied der Deutschen Eishockey Liga (DEL) übriggeblieben ist? Wer beim bekanntesten Internet-Auktionshaus nach Überresten der Frankfurt Lions sucht, stößt irgendwann auf den einsamen Becher. Ansonsten ist der Ausverkauf beim insolventen Verein weit fortgeschritten. Möbel und Inventar aus den Spielerwohnungen sind versteigert und wie die Anzahlung von einst optimistischen Dauerkarteninhabern in die Konkursmasse gewandert.

Matthias Scholze, Pressesprecher a.D. des einstigen Liga-Primus, verdient seine Brötchen momentan als Geschäftsleitungsassistent in einer anderen Branche. Er erinnert sich an manch menschliches Drama in der Geschäftsstelle. „Da sind schon ein paar Tränen geflossen. Das war ein Schock für uns. Wir haben die Zahlen und damit das Ausmaß des Dramas ja nicht gekannt. “ Am heutigen Freitag hätten die Lions ihr erstes Testspiel absolviert. „Die Situation ist immer noch befremdlich.“ Immerhin haben alle der rund zehn Angestellten auch dank der Hilfe ihres Chefs einen neuen Job gefunden.

Vorgestern hat Löwen-Kapitän Eric Schneider beim DEL-Aufsteiger EHC München unterschrieben. Der Vater von fünf Kindern, darunter zwei Zwillingspärchen , brauchte berufliche Sicherheit, und die Bayern freuen sich über den dicken Fisch aus Kanada, der ihnen doch noch ins Netz ging. Über 90 Prozent der Spieler sind acht Wochen nach dem Aus für die Lions „untergekommen, darunter alle deutschen Spieler“, berichtet Siggi Schneider, der Eigentümer und Ex-Geschäftsführer.

Moderne Halle muss her

Zu den Übriggebliebenen gehört auch Rich Chernomaz. „Ich sitze in Frankfurt und warte.“ Der Cheftrainer wartet auf Anrufe, nicht unbedingt auf solche von Journalisten, eher auf solche von renommierten Eishockeyklubs. Chernomaz ist, „trotz der sehr großen Enttäuschung“, die das Ende der Lions für den Kanadier bedeutete, wohl der einzige, der der Pleite im Moment etwas Positives abgewinnen kann. „Ich kann mich mehr um meine Frau kümmern, die eine Brustkrebsoperation hinter und das ganze Therapieprogramm noch vor sich hat.“ Chernomaz hat ein paar Übungseinheiten mit den Young Lions absolviert, Rat und Hilfe angeboten „und auch von dort auf einen Anruf gewartet, doch es kam keiner.“

Der Lions-Coach ist nicht der einzige in und um Frankfurt, der im Stammverein des Profiklubs eine neue/alte Keimzelle für ein ambitioniertes Eishockeyprojekt am Main sieht. Mit seinem Ex-Boss ist sich Chernomaz einig, dass es mindestens vier, fünf Jahre dauern würde, bis in Frankfurt der Puck wieder über erst- oder zweitklassiges Eis schlittert. „Ohne eine Multifunktionshalle, die Sponsoren ein komfortables Ambiente bietet“, sieht der Telekommunikationsdienstleister Schneider schwarz für den Frankfurter Profisport jenseits des Fußballs. „Die nächsten, die Probleme bekommen werden, sind die Basketballer. “

Die Young Lions reagieren seit Wochen auf die deutlich erhöhte Aufmerksamkeit, die ihnen in der nun doch etwas gerupften Sportstadt zu teil wird, mit nachvollziehbarer Zurückhaltung. Der Tenor des hauptsächlich der Nachwuchsarbeit verpflichteten Vereins lautet, dass es keinen Sinn macht, sich ohne eine feste Basis, sprich potente Sponsoren, in ein neues Eishockey-Abenteuer zustürzen. Die sogenannte Jung-Herren-Mannschaft des Klubs spielt in der vierten Klasse, der Regionalliga West.

Siggi Schneider hat nach einer Phase des „Sackenlassens, über meine Gefühle beim Aus für die Lions spreche ich nicht gerne öffentlich“, auch mit dem Vorstand der Young Lions gesprochen. Vorerst sieht der Unternehmer seine Rolle „mehr beratend, denn handelnd, obwohl ich der Stadt, in der ich mein Geld verdiene und in der ich wohne, gerne etwas zurückgeben möchte.“

Autor:  Jürgen Ahäuser
Datum:  19 | 8 | 2010
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2 EV Duisburg 63:37 33
3 Kassel Huskies 78:44 29
4 EHC Dortmund 68:42 28
5 Löwen Frankfurt 54:51 18
6 Königsborn Bulldogs 36:79 12
7 Hammer Eisbären 33:70 6
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