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"Die Abschaffung der Arten": Auf der Bio-Fanmeile der Zukunft

Ach du schöne Luchsin!

Soweit, so chaotisch. Anfangs ist man ein bisschen genervt davon, auf jeder Seite auf viele Begriffe zu stoßen, die man nicht kennt und nachschlagen muss und die teils auch Eigenerfindungen des Schriftstellers sind, und man stört sich an der dick aufgetragenen Bildung. Im Lauf der Lektüre aber, nachdem man sich eingelassen hat, wie es so schön heißt, stört das nicht mehr so sehr, einiges überliest man; bei anderem kann man sich doch etwas vorstellen, auch wenn man einzelne Wörter immer noch nicht kennt.

Bewundernswert ist, wie Dath es schafft, uns Anteil nehmen zu lassen an den Abenteuern ausgedachter Tiere, an Mischwesen, deren Sprache, wie gesagt, vor allem ein ausgefeiltes System von Gerüchen ist; an den Reisen Dimitri Stepanowitschs, eines einzelgängerischen Wolfs vor allem, der im Auftrag des Königs... - ach was! Hundertfünfzig Seiten begleitet man ihn jedenfalls, freut sich an seiner Liebesgeschichte mit einer ebenfalls sehr schön gezeichneten "Luchsin", ist beeindruckt von der Schilderung des Sexes zwischen den beiden, freut sich über einige plastische Nebenfiguren und ist ein bisschen enttäuscht, als Dath zu anderem übergeht.

In vielen Teilen ist der Roman ganz großartig, Daths Sprache eine schöne Musik, die gegen Ende allerdings ein wenig pathetisch, ein bisschen zu catchy wird. Doch kommen einem immer wieder Sätze unter, die man als Teenager unterstrichen und mit Ausrufezeichen versehen hätte: "Was lebt und Sprache hat, kann eigentlich nie irreversibel beseitigt werden" oder auch: "Solange ich hier bin, sagte ihm sein Herz, bin ich, wo ich sein soll."

Dietmar Dath: Die Abschaffung der Arten. Roman. Suhrkamp Verlag, Frankfurt/M. 2008, 600 Seiten, 24,80 Euro.

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Autor:  DETLEF KUHLBRODT
Datum:  28 | 10 | 2008
Seiten:  1 2
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