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"Die Veränderung der Welt": Ein unglaubliches Panorama

Mit der Beantwortung der dritten Frage, die unter der Überschrift "Themen" erfolgt, nimmt Osterhammel weitere neuere Leitbegriffe auf, so "Netze" und "Wissen". Doch erst in der Gegenüberstellung mit "Energie und Industrie" oder "Hierarchien" lassen sich weiche und harte Kategorien fruchtbar miteinander ins Gespräch bringen. Denn es reicht weder die Analyse von "Fakten" noch die von "Kultur". Was den Leser auch in diesen Kapiteln seinem Cicerone folgen lässt, ist der gekonnt abgestimmte Wechsel von erzählenden und analysierenden Passagen.

Wer auf Seite 1279 angekommen ist, den erwarten noch fünf Punkte, die Osterhammels Überlegungen zusammenfassen. "Asymmetrische Effizienzsteigerung", "Mobilität", "asymmetrische Referenzverdichtung", die Spannung zwischen "Gleichheit und Hierarchie" und schließlich "Emanzipation" sind die Grundbegriffe, die er dem 19. Jahrhundert zuschreibt. Doch man sollte nicht ans Ende schielen, denn die Kategorien erschließen sich erst, wenn man die Seiten davor zur Kenntnis genommen hat.

Angesichts überragender Synthesen englischer Historiker aus den letzten Jahren, wie sie Christopher Bayly über die "Geburt der modernen Welt", Christopher Clark zu "Preußen" und Diarmaid MacCulloch über das Reformationszeitalter vorlegt haben, ist mit Jürgen Osterhammels "Verwandlung der Welt" nun ein deutscher Geschichtswissenschaftler mit einer großen Zusammenfassung hervorgetreten. Der Lektüre seines Buches kann und sollte man sich nicht entziehen - nicht nur, wenn man das 20. Jahrhundert verstehen will.

Jürgen Osterhammel: Die Verwandlung der Welt. Eine Geschichte des 19. Jahrhunderts. Verlag C.H. Beck, München 2009, 1568 Seiten, 49,90 Euro.

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Autor:  THOMAS MEYER
Datum:  10 | 3 | 2009
Seiten:  1 2
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