Immer zum Frühlingsanfang teilt sich die Menschheit. Da gibt es diejenigen, die ganz gleich, ob sie sich in einem Krankenhauspark oder einer japanischen Zen-Anlage aufhalten, hinterher nicht in der Lage sind, eine Pflanze beim Namen zu nennen. Für diese Spezies besteht die Natur aus "Bäumen" oder "Blumen".
Die andere Gruppe ist die der Gärtner. Die Frankfurter Autorin Eva Demski (einzuordnen in die zweite Kategorie) hat sich dazu Gedanken gemacht und ihre "Gartengeschichten" veröffentlicht. Was so bescheiden daherkommt, hat eine schöne und eigenständige Tradition, zu deren berühmtesten Vertretern wohl die englische Literatin Vita Sackville-West gehört. Die zugehörige Literaturgattung, die sich irgendwo zwischen Wissenschaftskolumne, Erfahrungsbericht und Pflanzenplauderei ansiedelt, gehört zu den feinsinnigsten und genüsslichsten Textsorten, die es gibt - vorausgesetzt, man interessiert sich für die Pflanzenwelt oder ist ihr, besser noch, liebevoll verbunden.
Eva Demski: Gartengeschichten. Mit farbigen Bildern von Michael Sowa. Insel Verlag, Frankfurt/M. 2009, 233 Seiten, 19,80 Euro.
So ist das Schreiben über den Garten nicht ausschließlich ein Sinnieren über die Natur, sondern auch über sich selbst. In dem Kapitel "Epikurs Garten" versucht sich die Autorin vorzustellen, was nicht überliefert wurde. Wie wohl Epikurs Garten blühte, ob es laut war oder schattig, Bänke jedenfalls meint sie, muss es gegeben haben, dick gemauert. Dabei erzählt Demski, wie sie ein paar Semester Philosophie studierte und erinnert sich an verstörende Begegnungen, dem Vorgaukeln von Wissen, das kompliziert und vergittert wirkte. Was folgt, war der Abgrund der Ahnungslosigkeit. Doch irgendwann ergab sich eine Erkenntnis über das Scheitern. Genau so ist es mit Gärten, will man rufen, doch dann erinnert man sich, hier spricht Eine, die das alles weiß, man ist unter Gleichgesinnten.
Wohl gesonnen war ihr auch "Marianne", wie die gleichnamige Geschichte heißt. Von ihr bekam sie einen Sekretär vermacht, in dem sich angeblich ein Briefwechsel mit Uwe Johnson befand. Davon war nichts wahr, bis auf einen Brief, in dem sich Johnson für zwei Gegenstände bedankt. Was kann die Gärtnerin und Autorin - Eingeweihte wissen, dass es sich um die 2007 verstorbene Marianne Beuchert handelt - verschenkt haben, das er durch den englischen Zoll schmuggelte und: "Sie teilen sich, Ihren Vorschriften gemäß, einen Kubikmeter von Hand durchkneteter Erde und erregen meine Hoffnung, indem sie auseinander streben." Auch das wird man nie erfahren, doch darum geht es auch nicht.
Kurze Rede, kurzer Sinn: Man muss Demski lesen. Obwohl lesen nicht ganz der richtige Ausdruck ist: In den "Gartengeschichten", die zudem von Michael Sowa zärtlich und amüsant bebildert sind, kann man herumspazieren.