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Literatur

22. Februar 2016

„Outsider in the White House“: Bernie Sanders ist derzeit hip

 Von 
Februar 2016: Empfang für Bernie Sanders am Morehouse College in Atlanta, Georgia.  Foto: dpa

Die USA, schreibt er in „Outsider in the White House“, werden eine Revolution brauchen: Bernie Sanders, Kandidat der US-amerikanischen Demokraten, hat (s)eine politische Heldengeschichte geschrieben.

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Bernie Sanders, geboren im September 1941, ist derzeit die Hoffnung des jungen Amerika. Jedenfalls ereilt einen dieser Gedanke, wenn man sich anschaut, wer ihn bei den ersten Primaries der Demokraten gewählt hat. Wer mehr über ihn wissen möchte, dem bietet Youtube lange und kurze Interviews und Reden.

Wer es konventioneller liebt, der wird auf ein Buch zurückgreifen. „Outsider in the White House“ heißt es. Es ist die nur unwesentlich geänderte 2015er-Neuauflage von „Outsider in the House“, das Bernie Sanders schon im Jahr 1997 herausgebracht hat. Für die alte Ausgabe muss man heute 271,23 Euro zahlen. Bernie Sanders ist derzeit hip.

Wenn man sein Buch liest, begreift man, warum. Es ist lange nicht so großartig geschrieben, wie Barack Obamas Autobiografie. Aber es ist eine politische Heldengeschichte. Bernie Sanders begann seine politische Arbeit mit dem Kampf gegen die Rassentrennung in Chicagos Schulen. Er setzt sich gegen den Vietnamkrieg der USA ein.

Als er sich auf den Langen Marsch begab, zog er, der New Yorker, nach Vermont und kaufte ein Stück Land. Er schloss sich keiner der großen Parteien an, sondern war in allen möglichen Basisgruppen, die für bessere Bezahlung, eine grünere Umwelt, Krankenversicherung, freien Zugang zu Bildungseinrichtungen usw. kämpften. Er nannte sich in den sechziger Jahren einen Sozialisten, und er tut das immer noch.

Als Sozialist im US-Senat

Er wurde – als Sozialist – Bürgermeister von Burlington, der größten Stadt in Vermont, er wurde wieder und wieder gewählt. Er wurde – als Sozialist – Vertreter des Bundesstaats im US-Senat. Er tat das nicht auf irgendeinem Parteiticket. Der Demokratischen Partei trat er erst im November 2015 bei. Bernie Sanders war Bürgermeister und Senator als Bernie Sanders, als unabhängiger Vertreter derer, die ihn gewählt hatten. Man kann sich kaum vorstellen, wie viel Gegenwind man aushalten muss, um all die massiven Anfeindungen zu ertragen. Bernie Sanders ist Jude – es wird auch nicht an antisemitischen Ausfällen gefehlt haben.

Sein Buch erzählt wenig davon. Er findet es ungeheuerlich, dass in dem reichsten Land der Welt die reichste Familie ebenso reich ist wie die 130 Millionen ärmsten Amerikaner. Auf den Titel seines Buches anspielend, meint er: „Die Mehrheit der Amerikaner sind Outsider.“ Denn die Politik, egal, wer sie macht, wird nicht für sie gemacht. Das muss sich ändern.

Er sagt, es wird einer politischen Revolution bedürfen, um einen demokratischen Sozialisten aus Vermont zum Präsidenten zu machen. Aber es wird den USA, so sagt er, nichts anderes als eine Revolution übrig bleiben, wenn sie sich aus dem Griff des Großen Geldes und der herrschenden Machteliten befreien möchten.

Bernie Sanders: Outsider in the White House. Verso 2015. 368 S., 11 Euro.

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