Kurze Pause im Foyer vor dem Buchmesse-Kino. Während hier draußen viele Messebesucher ich mir mit ersten Anzeichen von Erschöpfung einen Kaffee gönne, hat drinnen gerade die Vorführung des Films "Baader-Meinhof-Komplex" begonnen. Die bedrohlichen Bass-Klänge, mit denen die ersten Szenen unterlegt sind - die Anti-Schah-Demonstration in Berlin, die knüppelnden "Jubel-Perser", die eskalierende Gewalt - überlagern jede Unterhaltung hier draußen.
Unmittelbar vor der Filmvorführung saßen die Macher auf dem Podium: Buchautor und Journalist Stefan Aust, Autorin Katja Eichinger, Schauspieler Simon Licht (der im Film Horst Mahler verkörpert) und Martin Moszkowicz von Constantin Film. Wirklich Neues kam nicht dabei rum: Wie schon in zahlreichen Talkrunden zuvor verteidigten die Filmemacher ihr Werk gegen die Vorwürfe der Verklärung und der Einseitigkeit. "Das waren Mörder, und wir zeigen sie als Mörder", wischte Moszkowicz die Angriffe beiseite, freute sich stattdessen über den internationalen Erfolg des Films und ließ wie nebenbei fallen, dass Produzent Eichinger in diesen Minuten in Paris weilt, um Promotion für den französischen Kinostart zu machen.
Spannend wurde es am Schluss, als Aust von dem Farbbeutel-Anschlag an seinem Hamburger Privathaus erzählte. Einen Tag später sei ein Bekennerschreiben bei der Hamburger Morgenpost eingegangen, getippt auf einer alten Schreibmaschine ohne Korrekturtaste und mit Formulierungen, die profunde Kenntnisse über Austs Arbeit verrieten. Besonders ein Satz hätte ihm zu denken gegeben: "Die Revolution sagt: Ich war, ich bin, ich werde sein." Ist die RAF womöglich noch immer nicht Geschichte? Droht ein Wiederaufleben des politischen Terrors in Deutschland?, fragt Moderator Wolfgang Herles denn auch gleich mit einiger Dramatik in der Stimme. Nein, meint Aust. Das dann doch nicht. Spürbar wird in diesem Moment aber: Nicht nur der Vorfall selbst, sondern mehr noch das Rosa-Luxemburg-Zitat in dem Bekennerbrief haben den Mann durchaus verunsichert.
Im Video: Stefan Aust über den Anschlag, das Bekennerschreiben - und wo er Parallelen zwischen linkem Terror der RAF und islamistischem Terror von heute sieht.