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Literatur

27. November 2013

"Trotzkis Narr" : In den Graubereichen

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Gerade in Berlin ist immer noch Platz zum Bauen. Nicht nur für Flughäfen.  Foto: REUTERS

Vor allem um Korruption geht es im neuen Kriminalroman Ulrich Ritzels.

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Die feinen Kriminalromane von Ulrich Ritzel sind nichts für Leser, die es am Ende hübsch aufgeräumt haben wollen und den Täter/die Täter ins Gefängnis gesteckt. „Ach, Gerechtigkeit“, seufzt nun im jüngsten Berndorf-Roman Ritzels nüchtern, stets ruhigen Mutes recherchierende Hauptfigur: „Damit Gerechtigkeit stattfinden kann, muss einer schon in die Grube fallen, die er anderen gegraben hat.“

Nun gibt es einige tatsächliche (Bau-)Gruben in „Trotzkis Narr“, in Berlin vor allem. Vor allem solche, deren Entstehung mit Schmiergeldzahlungen verbunden ist. Korruption im Baugewerbe ist aber nur eines der Themen dieses wie stets bei Ritzel komplexen, vielfach verzahnten Buches. Neonazis und ihre kruden wie gewalttätigen politischen Überzeugungen sind ein weiteres. Auf der anderen Seite, diametral entgegengesetzt sozusagen, platziert Ritzel einen alten, standhaften Trotzkisten. Der Trotzkist hat ein Prinzip, an dem er trotz Gefahr für Leib und Leben festhält: Nie, nie, nie die Polizei rufen. Lieber versteckt er einen kranken, außerdem mörderischen Neonazi, bis es diesem besser geht.

Mit einiger Schärfe

Ulrich Ritzel, dessen in die Jahre gekommener Hans Berndorf Kommissar war, nun schon seit einer Weile Ex-Kommissar ist, nutzt das Krimigenre immer, um aktuelle politische und gesellschaftliche Fragen anzusprechen. Nicht mit erhobenem Zeigefinger, überhaupt nicht, aber doch mit einiger Schärfe. Statt unplausible Serienmörder-Panoramen auszubreiten, nimmt er sich lieber die Zeit, soziale Hintergründe zu beleuchten. Wie nebenbei wird in „Trotzkis Narr“ davon erzählt, dass kleine Baufirmen eben nicht mithalten können bei der Preisgestaltung und im Bestechungskarussell; sie haben schon verloren, ehe es an eine Ausschreibung geht. Eine Bauunternehmersfrau begeht Selbstmord.

Ein kleiner Mann, ein eigentlich ganz unbedeutender Senatsangestellter wird zu Anfang des Romans erschossen. Man kann sich gar nicht recht vorstellen, wem er mit für ihn so fatalem Ausgang auf die Zehen gestiegen sein könnte. Erstaunliches wird sich freilich herausstellen, auch die Berliner Polizei wird nicht unbeteiligt sein und der Trotzkist in gewisser Weise Recht behalten.

Der erfahrene, aber ja nur noch private Ermittler Berndorf bekommt einen Faden im Knäuel der sich kreuzenden Interessen und Handlungen nur deswegen zu fassen, weil eine Journalistin, gleichzeitig Frau eines ebenfalls im Baugewerbe Tätigen, das Gefühl hat, ihr folge jemand. Dass da mehr dahintersteckt, das vermutet der ehemalige Polizist bald. Sein Erfinder lässt ihn aber weder hudeln noch überreagieren. Da hat einer schon viel gesehen vom Leben und kennt vor allem dessen (moralische) Graubereiche. Wie sein gelassener Held nimmt auch der Autor Ritzel keine Abkürzungen, wenn es um die Wahrheitsfindung geht.

Ulrich Ritzel: Trotzkis Narr. Roman. btb Verlag 2013, 464 Seiten, 19,99 Euro.

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