Chiwoniso, die, wie sie sich selbst nennt, rebel woman aus Simbabwe, betrachtet sich als Spiegel ihrer Gesellschaft. Wenn jemand sie auf der Straße um Geld anbettelt, dann singt sie darüber. Und wenn die Polizei die Leute nicht schützt, sondern drangsaliert, dann singt sie auch darüber.
Chiwoniso Maraire ist einer der Stars des Berliner Poesiefestivals, das bereits zum zehnten Mal stattfindet. Ein beachtliches Jubiläum für das ambitionierte Welttreffen des gesprochenen, gesungenen und getanzten Wortes. Thomas Wohlfahrt, Leiter der Berliner Literaturwerkstatt, ist stolz darauf, aber zum ausgelassenen Feiern ist ihm nicht zumute. Das liegt zum einen daran, dass er sich kurz vor Festivalbeginn einen Bänderriss im Fuß zugezogen hat. Er wird den Lyrikmarathon wohl erhumpeln müssen. Verhaltene Jubiläumsfreude legt er aber auch wegen der weiterhin ungeklärten Existenzgrundlage des Poesiefestivals an den Tag. Für 2010 sei die Finanzierung gesichert, die Zukunft ist offen.
Verlässliche Zusagen sind augenblicklich nicht zu bekommen. Vor der Bundestagswahl will und kann Kulturstaatsminister Bernd Neumann keine Zusagen mehr machen. Sein Plan, das Poesiefestival mit dem jährlich im Herbst stattfindenden Internationalen Literaturfestival Berlin (ilb) zu fusionieren, darf als gescheitert betrachtet werden. Die Zukunft beider Wortkunstveranstaltungen gehört zu den wenigen unerledigten Projekten auf dem Arbeitszettel Neumanns, der als erster Kulturstaatsminister seit 1998 eine volle Legislaturperiode hinter sich gebracht hat. Beide Festivals werden mit je 350 000 Euro aus dem Hauptstadtkulturfonds bezuschusst. Dass das Land Berlin das Poesiefestival in alleiniger Regie übernimmt, gilt aus haushalterischen Gründen als unwahrscheinlich.
Eine Verschmelzung der beiden Events scheiterte einerseits an den sehr unterschiedlichen Temperamenten ihrer Leiter Thomas Wohlfahrt und Ulrich Schreiber. Die konzeptionellen Differenzen sind andererseits aber so groß, dass ohne Verluste aus Zwei nicht Eins werden kann. Während das ilb eine veritable Weltmeisterschaft des zeitgenössischen Literabetriebs zum Anfassen ist, setzt das Poesiefestival auf Entdeckungsreisen in die Randgebiete des gesprochenen Wortes. Nach dem portugiesischen Sprachraum ist einer der Schwerpunkte nun das südliche Afrika, indem man sich den Lyrik- und Klangwelten entlang des Sambesi-Flusses und den Mega-Citys Johannesburg und Kapstadt widmet.
Berlin: 27. Juni-5. Juli.