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Literatur

24. Oktober 2012

Adam Lashinsky über Apple: "Ein Job bei Apple galt nie als cool"

Der Apple-Konzern weiß seine Produkte an junge Leute zu vermarkten. Hinter den Kulissen sieht es anders aus, meint Adam Lashinsky. Foto: AFP

Adam Lashinsky hat sich für Deutschland entschieden – und gegen Apple. Im Interview - und in seinem Buch "Inside Apple" - lüftet er Apples Geheimnisse und beschreibt das Innenleben des legendär geheimniskrämerischen Konzerns.

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Adam Lashinsky hat sich für Deutschland entschieden – und gegen Apple. Im Interview - und in seinem Buch "Inside Apple" - lüftet er Apples Geheimnisse und beschreibt das Innenleben des legendär geheimniskrämerischen Konzerns.

Adam Lashinsky hat sich für Deutschland entschieden – und gegen Apple. Es ist der Abend, an dem in Kalifornien das iPad Mini präsentiert wird. Lashinsky hatte eine Einladung, doch der Silicon-Valley-Korrespondent des Fortune-Magazins ist lieber nach Berlin gekommen, um sein Buch „Inside Apple“ vorzustellen. Darin beschreibt er das Innenleben des legendär geheimniskrämerischen Konzerns, der an Gäste in der Zentrale in Cupertino T-Shirts verkauft mit der Aufschrift: „Ich habe den Apple Campus besucht, aber das ist alles, was ich darüber sagen darf.“ Ein Beleg für Apples Humor, sagt Lashinsky – allerdings der einzige, den er bei der Recherche finden konnte.

Mister Lashinsky, ist Apple wirklich das verschwiegenste Unternehmen der Welt?

Es wird schwieriger für Apple, Dinge geheim zu halten, je größer das Unternehmen wird und je mehr Zulieferer und Partner es hat. Aber äußerste Geheimhaltung bleibt ein wichtiger Teil der Unternehmenskultur.

Was tut Apple dafür?

Partner werden sehr vorsichtig ausgewählt. Neuen Mitarbeitern wird am ersten Arbeitstag gesagt, dass es dramatische Folgen hat, wenn sie Geheimnisse weitergeben: Sie werden gefeuert, und sie werden verklagt, sobald der Schaden beziffert wurde, der durch ihren Verrat entstanden ist. Mitarbeiter verinnerlichen, dass sie mit niemandem, auch nicht mit ihren Familien, über ihre Arbeit sprechen. Das schließt auch Apple-Kollegen ein, die nicht im selben Team sind.

Wie werden die Gruppen mit ihren geheimen Projekten auf dem Apple-Firmengelände getrennt?

Für die Mitarbeiter eines neuen Projektes wird Platz geschaffen irgendwo am Rande, wo sie nichts mit anderen Abteilungen zu tun haben und sich wie ein Startup benehmen können. Wenn ich bei Apple bin, kann es sein, dass der Kollege, mit dem ich bis gestern zu tun hatte, heute hinter einer Wand arbeitet, die über Nacht eingezogen wurde – in einem Bereich, zu dem ich mit meiner Sicherheitskarte keinen Zutritt habe und in einem Projekt, das ich nicht kenne. Man fragt auch nicht danach – das ist Apple-Kultur.

Warum wacht Apple so paranoid über seine Ideen?

Es gab eine Ära in der Firmengeschichte, da war Apple ein Schiff mit vielen Lecks, und das hat Steve Jobs geärgert. Er wollte die Kunden überraschen – und der Konkurrenz keinen Vorteil geben. Apple ist ein Unternehmen mit extremen Prinzipien. Wenn Apple Geheimhaltung sinnvoll findet, dann setzt es auf totale Geheimhaltung.

Wie haben Sie Zugang zu dieser Festung bekommen?

Ich habe ehemalige Mitarbeiter interviewt, nicht solche, die noch bei Apple arbeiten, weil die sowieso nichts erzählt hätten. Außerdem wollte ich nicht dafür verantwortlich sein, dass jemand seinen Job verliert. Ich schreibe seit vier Jahren über Apple, ich kenne viele Mitarbeiter, die ich fragen kann, mit wem ich sonst noch sprechen könnte. Und ich verrate wohl kein Riesen-Geheimnis, wenn ich Ihnen erzähle, dass das Job-Netzwerk LinkedIn eine Hilfe ist. Apple hat meine Recherchen nicht behindert, mir aber auch nicht geholfen – nur beim Fakten-Check.

"Die Mitarbeiter sind nicht wirklich hip"

Die Menschen in Apple-Werbespots sind alle schön, jung und hip – die Mitarbeiter auch?

Nicht wirklich. Die Menschen in den Spots sind ja keine Mitarbeiter, sondern idealisierte Apple-Kunden. Und die sollen sich schön fühlen, weil sie schöne Produkte kaufen. Apple-Mitarbeiter sind sehr ernsthafte, hart arbeitende Leute und nicht unbedingt jung. Auf dem Campus fühlt man sich nicht unter jungen Leuten, wie bei Google oder Facebook.

Waren die Ex-Mitarbeiter, mit denen Sie gesprochen haben, bei Apple trotzdem glücklich?

Glücklich ist ein schwieriges Wort. Sie waren stolz, zufrieden, dass sie viel erreicht haben. Sie haben nicht erzählt, dass sie bei Apple glücklich waren oder Spaß hatten. Im Silicon Valley galt es noch nie als das Coolste, bei Apple zu arbeiten. Eher als Riesen-Herausforderung.

Neben den Arbeitsmethoden ist bei Apple der Drang auffällig, besondere Produkte zu entwerfen und sie erfolgreich zu vermarkten. Das wollen auch Manager anderer Unternehmen. Können sie von Apple lernen?

Sie können mein Buch lesen und eine Liste machen. Jede Firma kann sich zum Beispiel fragen: Haben wir rigoros genug Nein gesagt, bis wir schließlich Ja zu einem Projekt gesagt haben? Ist es wirklich absolut das Projekt, das wir verfolgen sollten? Außerdem kann sich jede Firma fragen: Haben wir unsere Marketing-Botschaft weit genug vereinfacht, so- dass wirklich jeder sie versteht? So kann jedes Unternehmen zumindest versuchen, so erfolgreich bei den Kunden anzukommen wie Apple.

Sie schreiben, Steve Jobs habe wie niemand sonst die Zukunft der Branche vorhersehen können. Ist Apple nach seinem Tod zu einer normalen Firma geworden, der häufiger Fehler wie das Debakel mit dem Kartendienst passieren werden?

Das ist mein Eindruck, ja. Apple wird normaler werden. Das wäre aber auch passiert, wenn Steve Jobs noch leben würde. Es ist sehr schwierig, so lange der Beste zu sein.

Dann dürfte es Ihnen doch leicht fallen, Apples nächstes „one more thing“ vorherzusagen.

Ich habe da keine Insider-Informationen. Ich lese dieselben Gerüchte-Blogs wie Sie und Ihre Leser, und alle schreiben, dass es ein TV-Gerät wird. Ich glaube, bei Apple sind sie überzeugt davon, dass als Nächstes nicht nur ein iPhone 6 kommen kann, sondern etwas Anderes, Großes kommen muss. Ich weiß nur wirklich nicht, was das sein wird.

Das Gespräch führte Marin Majica.

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