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Literatur

29. Oktober 2013

Ana Paula Maia: Krieg der Bastarde: Wenn alles einstürzt

 Von 
Ana Paula Maia, geboren 1977 in Nova Iguaçu, einer Millionenvorstadt von Rio de Janeiro.  Foto:  Marcelo Correa/Verlag

Im Erstling „Krieg der Bastarde“ der 1977 bei Rio de Janeiro geborenen Ana Paula Maia geht mit einer Drastik zur Sache – von blutiger wie auch sexueller Art.

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Dass Brasilien kein eben friedliches Land ist, dieser Eindruck entsteht aus seiner Literatur – und er ist vermutlich nicht falsch. Trotzdem ist es nicht eigentlich ein Land der Kriminalliteratur. Jedenfalls ist bisher so gut wie keine brasilianische Krimi-Literatur ins doch nach Thrillern, Whodunnits und ähnlichem hungernde Deutschland gedrungen.

Das Buch

Ana Paula Maia: Krieg der Bastarde. Roman. Aus dem bras. Portugiesisch von Wanda Jakob. A1 Verlag 2013. 222 Seiten, 18,80 Euro.

Ausnahme ist die 1977 in einer Vorstadt Rio de Janeiros geborene Ana Paula Maia, die mit ihrem Erstling „Krieg der Bastarde“ kein bisschen leise gestartet ist. Es geht darin mit einer Drastik zur Sache – von blutiger wie auch sexueller Art –, die schon fast ins vollkommen Groteske umschlägt. Eine Zirkusartistin schickt Feuerstöße aus ihrem Anus.

Der Gangsterboss betet sie dafür an. Ein Killer muss, weil er was vermasselt hat, zur Strafe das Silikon aus den Brüsten einer Toten trinken. Einem sehr an Literatur interessierten Polizisten wird der Kopf gespalten, weil hinter dem Bücherregal leider ein Versteck ist.

Eine Sporttasche voll Koks ist Auslöser des ganzen Schlamassels, dabei nutzt Amadeu, Darsteller in Pornofilmen, doch nur seine Chance. Aus einem Zimmer, in dem zwei Tote liegen, stibitzt er das Kokain, versteckt es dann auf dem Dachboden eines baufälligen Hauses. Dann wird er überfahren. Niemand weiß, wo das Koks geblieben ist, aber alle suchen danach.

Ein Chihuahua, der sich vor allem von teuren Schmuckstücken ernährt, wird bei seiner schließlichen Entdeckung eine Rolle spielen. Außerdem ein halber Hauseinsturz, bei dem Ana Paula Maia noch einmal kräftig auf die Brutale-Komik-Sahne haut, alle und alles durcheinander purzeln lässt.

Ein paar wenige Momente unerwarteter Zartheit und fast philosophischer Weltbetrachtung gibt es in diesem Roman. Dann ist es, als würde die Autorin nach furiosem Sprint plötzlich innehalten wollen – man nimmt dies als Leser fast mit Dankbarkeit an. Doch sind es immer nur wenige Zeilen, in denen diese rasende brasilianische Großstadtwelt mit ihren Killern, Dealern, Koksern, Pornoakteuren, Boxern, korrupten Polizisten gleichsam Luft holt.

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