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Stiller Krimi: Arglosigkeit der späten Geburt

Mechtild Borrmanns Krimis kommen ohne zugerichtete Leichen, Serienmörder oder besonders helle Polizisten aus. Auch ihr neuer stiller Krimi hat andere Qualitäten.

Mechtild Borrmann: Wer das Schweigen bricht. Pendragon Verlag, Bielefeld 2011, 224 Seiten, 9,95 Euro.
Mechtild Borrmann: Wer das Schweigen bricht. Pendragon Verlag, Bielefeld 2011, 224 Seiten, 9,95 Euro.
Foto: Verlag

Die 1960 geborene, am Niederrhein aufgewachsene und in Bielefeld lebende Mechtild Borrmann scheint sich von Krimi-Moden nicht beeinflussen zu lassen. Sie schreibt ihre stillen, schmalen, nicht sehr blutigen Bücher zu Themen, die sie offenbar beschäftigen. Natürlich muss da auch der ein oder andere Mord passieren. Aber auch in „Wer das Schweigen bricht“ wird dem Leser keine zugerichtete Leiche präsentiert, kein Serienmörder und kein besonders heller oder mutiger Polizist.

Es geht darum, dass wir unsere Eltern nicht wirklich gut kennen, schließlich haben sie schon ein tüchtiges Stück Leben hinter sich gebracht, wenn wir dann mit ihnen zu tun haben. Und dieses Stück Leben ist besonders schwerwiegend, wenn es zum Beispiel in die Jahre des Zweiten Weltkriegs gefallen ist. Wenn sie erleben mussten, dass dem Vater die Patienten wegblieben, weil er die falschen politischen Ansichten hatte, dass eine Männer-Freundschaft tödlich sein konnte, weil jemand die Freunde als homosexuell anschwärzte.

Mechtild Borrmann rollt ihre Geschichte vom Heute aus auf. Ihre Hauptfigur namens Robert Lubisch, Arzt und mittelalt, räumt die elterliche Villa aus und findet dabei das alte Foto einer hübschen jungen Frau. Eine Geliebte des Vaters vielleicht, der doch immer so überkorrekt war? Er fährt in den Ort, wo das Bild nach dem Fotostudio-Stempel auf der Rückseite aufgenommen wurde.

Im Folgenden wünscht Lubisch sich mehr als einmal, er hätte dem Vater nicht posthum und partout eine Schwäche nachweisen wollen. Und erzählt Mechthild Borrmann sensibel und berührend von einer Zeit, in der moralische Entscheidungen oft eine ungeheure Mutprobe waren.

Autor:  Sylvia Staude
Datum:  16 | 2 | 2011
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