Ein früher Schlüsselroman der Beat-Generation konnte jetzt, nachdem alle Beteiligten tot sind, erscheinen: "Und die Nilpferde kochten in ihren Becken", geschrieben 1945 von William S. Burroughs und Jack Kerouac. Im Kapitel-Wechsel erzählen sie als "Will Dennison" und "Mike Ryko" von der fatalen Beziehungsgeschichte zwischen Lucien Carr, der hier Phillip Tourian heißt, und Dave Kammerer ("Ramsay Allen"). Als Kammerer Carr 1936 kennenlernte, war dieser 11 und er selbst 25. Acht Jahre lang war er Carrs Verehrer, angeblich aber nie Liebhaber. 1944 wurde er von Carr im Streit erstochen.
Burroughs war offenbar nach dem Mord/Totschlag der Erste, dem sich Carr anvertraute. Er und Kerouac rieten ihm, sich zu stellen und darauf zu berufen, dass er seine "Ehre" verteidigen musste. Carr kam damit nicht schlecht durch: Nach zwei Jahren war er wieder frei.
Burroughs und Kerouac boten ihr schmales Buch einigen Verlagen an, aber keiner kannte die jungen Autoren damals. Als man sie dann kannte, gab es rechtliche Bedenken. Heute, so viele Jahre später, ist das drehbuchartig knapp und lakonisch erzählte Buch nur noch aus zwei Gründen interessant: als Schlüsselroman für Leser, die sich näher mit dem Werdegang der "Beats" beschäftigen wollen. Und als Einblick in eine bestimmte Szene und ihre Vorlieben im New York der vierziger Jahre. Damals galt der Roman als "sexuell gewagt"; heute würde man ihn eher dezent nennen.
Die jungen Männer darin ziehen von Wohnung zu Wohnung und Kneipe zu Kneipe, geben sich existentialistisch, träumen von Paris und arbeiten an ihrer künstlerischen "Neuen Vision". Man spritzt sich Morphin, langweilt sich, schläft, hängt wieder rum, säuft. Wer Geld braucht, versucht als Matrosen anzuheuern. Nebenbei erfährt man, wie fest die Gewerkschaft dieses Geschäft einst im Griff gehabt haben muss. Und wer damals intellektuell in Mode war - aus Jux unterschreiben die Jungs mit "Paul Verlaine" oder "Arthur Rimbaud". Aber der Weltkrieg ist eine Randerscheinung. Und das größte Problem meist, wo man Geld schnorren kann für den nächsten Drink.
Der starke Titel übrigens stammt aus einer - realen oder fiktiven - Radiomeldung über einen Brand in einem Zirkus.