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Literatur

25. Februar 2016

Comic "Der Papagei von Batignolles": Die ideale Einstiegsdroge

 Von 
Die Sprache erhält in diesem Comic viel Raum.  Foto: Michel Boujut/Jacques Tardi, Der Papagei von Batignolles, Carlsen Verlag 2015

Das französische Radiohörspiel „Der Papagei von Batignolles“ funktioniert bestens als Comic.

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Bunte Bildchen. Das ist ja der althergebrachte Vorwurf gegen die als „Comic“ bekanntgewordene Bilderzählung. Viel Bild, etwas Onomatopoesie (Knuff! Päng! Boing!) und zu wenig Text für den bildungsbürgerlichen Leser. Und etwas gewieftere Leser störte zumindest mal die Vorgabe des kadrierten Bildes, die ihnen vorgeblich keine Möglichkeit ließ, im Kopf eigene Bilder entstehen zu lassen. „Der Papagei von Batignolles“ disqualifiziert wortgewaltig all diese Kritik.

Der Comic, dessen erster Teil just in deutscher Übersetzung bei Carlsen erschienen ist, wurde original 1997 als Fortsetzungshörspiel im Radiosender „France Inter“ produziert, ersonnen vom Autor und Fernsehproduzenten Michel Boujut sowie vom Bande-dessinée-Meister Jacques Tardi („Adeles ungewöhnliche Abenteuer“, „Das Ende der Hoffnung“). Der Zeichner Stanislas Barthélémy hat das Hörspiel auf Papier in Strich und Farbe umgesetzt. Und dabei den emotionalen Moment des soeben Gehörten brillant übertragen in ein kontemplatives Reflektieren in diversen Kultursparten.

Das Buch

Jacques Tardi, Michel Boujut, Stanislas Barthélémy: Der Papagei von Batignolles. Carlsen Verlag. Band 1: 56 Seiten, 12 Euro.

Stanislas tut das, indem er der Sprache gewaltig viel Raum (oder eher: Fläche im zweidimensionalen Medium Comic/Bande dessinée) gibt. Sein Zeichenstil ist einfach und klar, ohne zu simplifizieren. Er orientiert sich in Strich, Kadrierung und zeichnerischer Charakterisierung recht deutlich an Altmeister Hergés „Tim und Struppi“, unterstellt aber die – hier eher skizzenhaft angelegte – „ligne claire“ ganz der Erzählung. Und die Erzählung hat es in sich.

Im „Papagei“ geht es um das mysteriöse Vermächtnis eines Kunstfälschers, dem ein Radiotechniker auf die Spur kommt, als plötzlich die ahnungslosen Empfänger jenes Vermächtnisses in Lebensgefahr geraten (und einige umkommen). Der alleine von der Neugierde des Radiomannes Oscar Moulinet vorangetragene Krimi besticht durch ein reiches Dekor, von der bretonischen Küste über die Keller des Pariser Funkhauses bis zur Kathedrale von Saintes in der Charente. Noch bestechender aber ist das Panoptikum handelnder/sprechender Personen, vom faschistoiden Taxifahrer über die handfeste Buchhändlerin bis zum anarchistischen Bahnpensionär.

Stanislas setzt ihre wunderbar kultivierte (Radio-)Gesprächigkeit so großzügig in Sprechblasen in Szene, dass es einem eine wahre Lust am Schmökern macht. „Der Papagei von Batignolles“ ist ein Comic für Buchleser, eine ideale Einstiegsdroge in die neunte Kunst.

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