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Literatur

06. Dezember 2012

Craig Silvey „Wer hat Angst vor Jasper Jones?“: Immer gibt es einen Schuldigen

 Von Thomas Stillbauer
Craig Silvey schrieb die bezaubernde Geschichte "Wer hat Angst vor Jasper Jones".

Craig Silveys preisgekrönter Roman „Wer hat Angst vor Jasper Jones?“ ist angeblich ein Jugendroman. Doch die Geschichte ist so brutal und doch so zart, so zum Weinen schrecklich und doch so unwiderstehlich lustig, dass es egal ist, für wen sie geschrieben wurde. Lesen muss sie sowieso jeder.

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Als Jasper Jones eines Nachts gegen die Jalousie klopft, ist die Kindheit von Charlie Bucktin vorbei. Und für uns Leser beginnt eine gut 400 Seiten lange Abenteuergeschichte, die wir mit aufgerissenen Augen verfolgen. Möge sie sich doch bloß als Albtraum entpuppen – nicht nur in Charlies Interesse, auch in unserem! Und möge diese Geschichte doch trotzdem nie zu Ende gehen.
Craig Silveys Roman „Wer hat Angst vor Jasper Jones?“, in Australien und Großbritannien mit Preisen überhäuft, ist angeblich ein Jugendroman. Aber das vergisst man augenblicklich, wenn Jasper an Charlies Jalousie geklopft hat. In dem Moment entwickelt sich eine Geschichte, so brutal und doch so zart, so zum Weinen schrecklich und doch so unwiderstehlich lustig, dass es egal ist, für wen sie geschrieben wurde. Lesen muss sie sowieso jeder, jung oder alt, es geht gar nicht anders, und zwar bis zum Ende.

Laura Wishart ist tot

Craig Silvey:  Wer hat Angst vor Jasper Jones? Deutsch von Bettina Münch. Ab 14 Jahren. Rowohlt, Reinbek 2012. 416 S., 16,95 Euro.
Craig Silvey: Wer hat Angst vor Jasper Jones? Deutsch von Bettina Münch. Ab 14 Jahren. Rowohlt, Reinbek 2012. 416 S., 16,95 Euro.

Laura Wishart ist tot. Wie das passieren konnte, wissen Charlie und Jasper nicht. Aber eins ist klar: Wenn sie es jemandem verraten, geht es Jasper Jones an den Kragen, denn Jasper Jones ist immer an allem schuld. Dies ist Australien, dies sind die 60er-Jahre, und es gibt immer einen Schuldigen. Für manche sind es die Vietnamesen, für manche ist es „Dschieses Kreist“, aber wenn in der Gegend etwas passiert ist, dann war es immer Jasper Jones. Und ausgerechnet dieser Außenseiter hat sich jetzt den armen Charlie als Verbündeten ausgesucht. Dschieses Kreist!
Wochenlang taumeln die beiden wie in Trance durch die Spießer-Kleinstadt Corrigan.

Ausgerechnet jetzt verschafft sich auch noch die Liebe Zutritt zu Charlies tonnenschwerem Herzen, zeigen sich die Risse in seinem Elternhaus. Und ausgerechnet jetzt braucht ihn eigentlich sein bester Freund Jeffrey Lu, Kind vietnamesischer Einwanderer.

Einfühlsame Übersetzung

Craig Silvey schreibt nicht nur, er singt auch in der Indie-Band „The Nancy Sikes“ und spielt Ukulele. Der 30-Jährige spricht in Interviews mit Hochachtung von Büchern wie „Die Abenteuer des Huckleberry Finn“ und „Wer die Nachtigall stört“. Die Übersetzerin Bettina Münch hat den Roman so einfühlsam und sprachgewandt übertragen und sich beim Frankfurter Cricket-Club auch noch mit den letzten Kniffen des in Australien gängigen Gentlemen-Sports vertraut gemacht – es bleibt wirklich nichts zu kritisieren an diesem großartigen Buch.

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