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Literatur

27. November 2012

Daniel Lieske: „Die Wormworld-Saga“ - Comics fürs Tablet

 Von Christian Schlüter
Daniel Lieskes "Wormworld"-Saga wird zur Erfolgsgeschichte - auch ohne Papier.Foto: Daniel Lieske

Der Zeichner Daniel Lieske hat sich mit seinem Comic „Die Wormworld-Saga“ vom Papier verabschiedet. So geht's auch.

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Papier ist nicht immer notwendig. Ach was, Papier ist überhaupt nicht notwendig. Hier der Beweis: Daniel Lieske ist einer der weltweit am meisten gelesenen und zugleich unbekanntesten deutschen Comiczeichner – dem Internet sei’s gedankt. Hier verdient er mit seiner „Wormworld-Saga“ mittlerweile sein Geld, er kann davon leben. Zu seinem Geschäftsmodell gehören nicht nur der Comic, der übrigens kostenlos im Netz und in einer App für den Tablet-Computer zu lesen ist, sondern eine Reihe weiterer, allerdings kostenpflichtiger Angebote. Insgesamt lässt sich sagen, Lieske produziert am klassischen Papier- und Buchmarkt vorbei.


Dass jetzt beim Hamburger Verlag Tokyopop die ersten Kapitel seiner Saga erschienen sind, versteht sich eher als analoge Werbemaßnahme für das digitale Geschäft. Die Verhältnisse haben sich also verkehrt. Wie konnte es dazu kommen? Bevor Lieske mit seinem Comic-Projekt anfing, arbeitete er als Designer in der Game-Industrie; unter anderem hat er bei den Computerspielen „Sacred 2“ und „Der Patrizier 4“ mitgewirkt. Nebenher zeichnete er noch ein wenig, doch erst 2010 wuchs sich das Freizeitvergnügen zu einer großen Geschichte aus: Ende des Jahres stellte Lieske dann die erste Folge der „Wormland-Saga“ ins Netz.

Reise in die Fantasy-Welt

„Die Reise beginnt“, lautet der programmatische Titel dieses Kapitels. Es handelt von einem kleinen Jungen, er heißt Jonas, mit nur mäßigen Schulleistungen, aber dafür umso größerer Fantasie. Als er in den lang ersehnten Schulferien zur Großmutter aufs Land fährt, beginnt eine rasante Entdeckungsreise. Auf dem Dachboden des alten Landhauses entdeckt Jonas einen merkwürdig leuchtenden Spiegel. Neugierig pirscht er sich heran – er hat den Eingang zu einem Zauberland gefunden. Eher er sich versieht, ist der nur mit einem Holzschwert bewaffnete Jonas in einer schön-schrecklichen Parallelwelt verschwunden.


Hier wird der Junge bereits erwartet und von Raya, einer jungen Frau, abgeholt. Jetzt beginnt die Reise wirklich, denn Jonas besitzt in diesem Fantasy-Universum große Kräfte und ist unverwundbar, selbst sein Holzschwert erweist sich als mächtige Waffe. Ein alter Mönch erklärt ihm, die Vorhersehung habe sein Kommen angekündigt, nun müsse er das Paradies vor dem bösen Feuerzauberer retten… Und so schliddert auch der Betrachter ins Abenteuer hinein, in eine wilde Mischung aus dem „Herrn der Ringe“, dem „Dschungelbuch“ und – ganz entfernt – den esoterischen „Baraka“- und „Samsara“-Bilderwelten eines Ron Fricke.

Das Prinzip der „endlosen Leinwand“ funktioniert prima auf dem Tablet: Nach oben und nach unten geht es immer weiter.Foto: Daniel Lieske

Altmeister Scott McCloud als Vorbild

Lieskes Comic überzeugt gerade wegen seiner sinnlichen, seiner flirrenden und leuchtenden Farbenpracht, die auf Papier nur sehr aufwendig herzustellen ist, aber bereits auf einem halbwegs guten Bildschirm und erst recht auf einem Tablet voll zur Geltung kommt. Dabei folgt der Zeichner dem Prinzip der „endlosen Leinwand“, der Comic lässt sich also ganz einfach von oben nach unten scrollen, das lästige Klicken von einem Panel oder Strip zum nächsten entfällt. Wie Lieske auf Nachfrage bestätigt, hat er sich für dieses Verfahren die Web-Comic-Experimente des Altmeisters Scott McCloud zum Vorbild genommen.

Mithin ging es Lieske darum, eine zwar nicht neue, aber für das Internet geeignete, zumal lesefreundliche Form zu finden. Das ist nicht unumstritten, viele Comic-Zeichner halten im Netz an den üblichen Formaten fest. Dafür gibt es gute ästhetische Gründe, etwa wenn der Erzählrhythmus sich auf wenige Panels beschränkt wie bei den klassischen Vier-Bild-Geschichten. Vor allem aber sind dafür kommerzielle Gründe verantwortlich, gilt es im Internet doch, möglichst viele Klicks zu generieren. Lieskes Seite hingegen kann auch ohne dies als überaus erfolgreich gelten, seit der Gründung 2010 zählt sie über 1,6 Millionen Besucher.


Überhaupt kommt es dem Künstler weniger auf die Quantität als vielmehr die Qualität der Besuche an. Man wird angelockt mit einem kostenlosen und, was die Bildergeschichte betrifft, auch kompletten Angebot. Das ist durchaus großzügig, eine nicht ganz risikolose Vorleistung – und scheint doch zu funktionieren, seit 2011 arbeitet Lieske nur noch als Zeichner. Denn wer mehr haben möchte, etwa handsignierte Drucke oder Vorzeichnungen und Arbeitsberichte, muss zahlen. Die auf Wormworldsaga.com aufmerksam betreuten Besucher scheinen das Angebot zu goutieren, ja, mehr noch, sie beteiligen sich an dem Projekt.
Das ist vielleicht das Erstaunlichste: die freiwillige, unentgeltliche Beteiligung. Treue Fans haben die Saga mittlerweile in 19 Sprachen übersetzt, darunter Chinesisch, Russisch, Hindi, Koreanisch oder Türkisch. Und als es 2011 darum ging, per Crowdfunding das Geld für die Entwicklung einer „Wormworld“-App zu sammeln, kam statt der veranschlagten 12.000 US-Dollar das Doppelte zusammen. Hätten wir es mit Papier zu tun, sprächen wir wohl von einer ausgezeichneten Leser-Blatt-Bindung.

Daniel Lieskes „Wormwold-Saga“ und die dazugehörigen Blogs und Foren finden sich hier:

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