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Literatur

09. Januar 2017

Elena Ferrante „Die Geschichte des neuen Namens“: Der Schatz wird entschnürt

 Von Cornelia Geißler

Ist es uns nicht ganz egal, wie die Autorin heißt? Am Dienstag erscheint der nächste Band der gefeierten Elena Ferrante. Er beginnt verheißungsvoll - hoffentlich versiegt ihre Stimme nicht.

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Wissen Sie noch? Mit einem Blick auf ein Paar Schuhe endete der erste Band der neapolitanischen Saga einer Autorin mit dem Namen Elena Ferrante. Die Schusterstochter Lila hatte sich mit der Herstellung der Schuhe die Hände ruiniert. Mit diesem Blick, der das Paar ausgerechnet an den Füßen Marcello Solaras zeigte, hatte Lila, die 16 Jahre alte Braut, sich ihre Hochzeit ruiniert. Was für ein Ende dieses nach den Tagen und Nächten, den Gedanken und Gefühlen der Leser greifenden Romans „Meine geniale Freundin“: Lila steckt in der Schlinge!

Offiziell von heute an, dieser Termin ist von Suhrkamp genannt worden, kann man nun auf Deutsch lesen, wie der italienische Welterfolgsroman weitergeht. In den USA war die Leidenschaft für die Bücher von Band zu Band dermaßen angewachsen, dass die Leser sich schon nachts in den Buchhandlungen versammelt hatten, um das Erscheinen der neuesten Ausgabe zu feiern. Ein derartiger Hype ist in Deutschland bisher nur bei Harry Potter entfacht worden. Als bereits am Freitagabend in einigen Buchhandlungen die Ferrante-Stapel neben den Kassen lagen, verhielten sich die Kunden ortsüblich ruhig.

Das Buch „Die Geschichte eines neuen Namens“ beginnt verheißungsvoll: „Im Frühling 1966 vertraute Lila mir in höchster Aufregung eine Blechschachtel mit acht Schreibheften an. Sie sagte, sie könne sie nicht länger zu Hause behalten, sie fürchte, ihr Mann könne sie lesen.“ Dass sie einmal Romane schreiben würden, hatten sich die Freundinnen Lila und Lenù doch schon als Kinder ausgemalt.

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Als sie nun die Schachtel in den Händen hält, ihrer Meinung nach an einem Tiefpunkt der Freundschaft, muss sie noch schwören, die Schatztruhe keinesfalls zu öffnen. Aber sie tut es dennoch. Und der Rione, das Viertel, das wir aus dem ersten Band so gut kennen, mit seinen Läden und den miteinander verstrickten Besitzern, erwacht zu neuem Leben. Und damit auch die Leselust, die Elena Ferrante, oder wie sie auch immer heißen mag, entfacht. Der Name ist doch egal. Erzählen kann sie, reich und plastisch, mit genauem Blick auf die soziale Lage, mit geschickt aufgebautem Spannungsbogen.

Die deutschen Leser haben ja noch zwei weitere Bände vor sich, die, übersetzt von Karin Krieger, im Mai und im Oktober erscheinen. Es wäre nur zu schade, wenn diese Stimme versiegt. Damit hatte Elena Ferrante gedroht, als der Person hinter dem Pseudonym nachgejagt wurde.

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