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Literatur

25. Juni 2014

Finnland Frankfurter Buchmesse: Dichter in der Sauna

 Von 
Gewohnt, cool zu sein. Eisskulptur im Zoo von Helsinki.  Foto: REUTERS

Finnlands Buchmesse-Auftritt verspricht unangestrengt zu werden. Und weiblich. Die Finnen (also: Finninnen) sagen dazu: „cool“.

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Man hätte eigentlich für den Gastland-Auftritt Finnlands bei der Frankfurter Buchmesse spontan eher ein anderes Motto als „cool“ gewählt: entspannt. Denn so vor allem – und: warmherzig – treten die organisierenden Finninnen (ja, es sind nur Frauen, glücksbringende 13 an der Zahl) nun auf bei der Präsentation ihres Programms im Literaturhaus. „Here we are“, sagt Iris Schwanck, Direktorin von Fili (Finnish Literature Exchange), umstandslos. Und auch die Eingangsbehauptung von Buchmesse-Chef Juergen Boos, die finnische Literatur sei ihm „hermetisch“ und „abgeschlossen“ erschienen, kann man aus eigener Leseerfahrung nicht bestätigen.

Die Finnen (also: Finninnen) hatten, so erzählt Boos, mit die längste Vorbereitungszeit für ihren Gastland-Auftritt; 2006 wurden erste Gespräche geführt. Als dann Iris Schwanck berichtet, wie vor vier Jahren mit dem Training von Übersetzern begonnen wurde, ahnt man, was für eine ungeheure Aufgabe es ist, 130 Titel rechtzeitig zur Buchmesse auf Deutsch vorliegen zu haben. Sonst sind es im Jahr höchstens 30. Ein Teil dieser Bücher ist in Schwedisch geschrieben, denn es gibt eine Finnlandschwedische Literatur, und Schwedisch sprechen auf der Welt sicher ein paar mehr Leute als Finnisch oder gar Samisch.

Fili nahm sich also auch des Übersetzertrainings an, 54 deutschsprachige Verlage der Veröffentlichungen. Wer will, kann im Herbst in finnischer Literatur geradezu baden.

Bibliothek als Wohnzimmer

Apropos baden. Beziehungsweise saunieren. Mit einem Augenzwinkern bedienen die Finnen in Frankfurt auch Finnland-Klischees. Man habe, so Iris Schwanck, „sieben, acht Dichter gefunden, die bereit sind, unter Sauna-Bedingungen zu lesen“. Oho. Ein Sauna-Bus soll unterwegs sein, aber auch Frankfurter Saunen genutzt werden.

Das wichtigste Stichwort der Organisatorinnen aber scheint „demokratisch“ oder auch „bürgernah“ zu sein. Man ist stolz auf eine zu hundert Prozent alphabetisierte, belesene und in großer Zahl schreibende Gesellschaft, auf eine hochentwickelte Bibliothekskultur und darauf, dass Büchereien für Finnen offenbar eine Art Wohnzimmer sind: Man verschwindet nicht mit dem Buch nach Hause, man liest vor Ort.

Der von drei Designstudenten der Aalto-Universität konzipierte Finnland-Pavillon folgt diesem Prinzip des entspannten Zusammenkommens. Unter insgesamt sechs in die Halle gebauten Rotunden soll es sowohl ein Café als auch einen Rund-Raum für Kinder geben. Das Wort „interaktiv“ fällt. Jeden Tag um 10 soll es einen Finnisch-Schnellkurs geben (auch für ihre Pisa-Spitzenergebnisse sind die Finnen schließlich berühmt). Wer will, kann außerdem seine Hirnströme aufzeichnen und in ein Gedicht (?) umwandeln lassen.

Der Pavillon und seine Rotunden werden zwar in Weißtönen gehalten sein (die Studenten sind für die richtigen Nuancen ins Eis gereist); aber vor allem anderen wollen die Finninnen „Farbe und Freude“ (Schwanck) nach Frankfurt bringen.

Sympathisch ist, dass tatsächlich alles sehr unhierarchisch abzulaufen scheint. Und dass auf Brimborium und Gesten der Überwältigung verzichtet wird – mal abgesehen vielleicht von dem geheimnisvollen Gehirnströme-zu-Gedichten-Apparat. Man möchte einen coolen Gastland-Auftritt bieten, sagt Iris Schwanck, „aber wir wollen auch ein bisschen bizarr sein“. Das klingt vielversprechend.

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