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Literatur

18. Juni 2010

Frankfurter "Bloomsday"-Feier: Ein Dichter zum Liebhaben

 Von Christoph Schröder
Die James Joyce-Statue au seinem Grab in Zürich.  Foto: rtr

Ein irischer Nationalfeiertag und ein Feiertag auch im Frankfurter Mousonturm, wo Autoren und Freunde des Literaturforums dem "Ulysses" ihre Aufwartung machten. Von Christoph Schröder

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An einer der Wände im Hessischen Literaturforum hängt eine Dartscheibe. Auf dem Tisch mit Getränken steht nicht nur der obligatorische Wein, sondern auch eine Ladung Guinness. Und daneben liegt tatsächlich ein Stück Zitronenseife, nicht von Sweny´s am Lincoln Place, aber auch so wird klar: Es ist der 16. Juni, es ist Bloomsday; jener Tag, an dem James Joyce seinen Helden Leopold Bloom einen Tag lang durch das Dublin des frühen 20. Jahrhunderts laufen ließ.

Ein irischer Nationalfeiertag und ein Feiertag auch im Frankfurter Mousonturm, wo Autoren und Freunde des Literaturforums dem "Ulysses" ihre Aufwartung machten, allen voran Programmleiter Harry Oberländer, der als Grundlage die ersten Verse von Homers "Odyssee" vortrug.

Was folgte, war ein Sammelsurium von Gedankensplittern, Eindrücken, persönlichen Interventionen und künstlerischen Hommagen an Joyce und sein hochkomplexes Werk, an dessen strukturelle Entschlüsselung sich Klaus Reichert in seinem gewohnt unterhaltsamen Beitrag herantastete: Die Entstehungsgeschichte des Romans, so Reichert, habe in mehreren Phasen und immer wieder Einfluss auf die ästhetische Gestalt genommen. Druckfehler seien als gestalterisches Element in jeden der sieben (!) Fahnenläufe eingeflossen; während der hintere Teil noch in Arbeit war, habe Joyce den vorderen bereits redigiert und auf diese Weise ein enges Beziehungsgeflecht von Leitmotiven gestaltet: "Das hat Joyce bei Richard Wagner gelernt."

Über die musikalischen Motive im "Ulysses" sprach auch Bernd Leukert, der eigens für den Abend eine CD zusammengestellt hatte: Mozart, Bizet und natürlich Wagner.

Olga Martynova stellte fest, dass Joyce einer gewesen sei, den man stets nur habe lieben können, "egal, was er tut" und lieferte das schöne Zitat des Dichters über die Stadt Rom, wo Joyce 1906 und 1907 lebte - Rom erinnere ihn an jemanden, der davon lebe, die Körperteile seiner Großmutter zur Schau zu stellen. Auch Ria Endres sprach über Joyce und Italien; bei ihr ging es um Triest, wo Joyce Italo Svevo kennenlernte, dem er zu seinen Pariser Zeiten zu einem späten Durchbruch verhelfen sollte.

Reinhold Batberger wiederum las eine eindringliche Prügelszene aus dem Roman "Ein Porträt des Künstlers als junger Mann", die er als eine der Urszenen im Joyce´schen Werk bezeichnete. Joyce sei, so Olga Martynova, der Patron aller, die nicht an den Zeitgeist, sondern an die Literatur glaubten. Darauf ein Guinness. Und ein Gorgonzolabrot.

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