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Literatur

13. Dezember 2012

Gehrmann Lesung im FR-Foyer: Gehrmann liest aus "Stresstest"

 Von Stefan Behr
Ganz der Papa: Sebastian Gehrmann im Foyer der FR.  Foto: Rolf Oeser

Sebastian Gehrmann liest bei freiem Eintritt. Er hat Schnupfen, seine Frau liegt krank im Bett und hütet die junge Tochter, und er liest trotzdem bei freiem Eintritt. Weil er jung ist, voller Sturm und Drang und ohne Falsch.

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Sebastian Gehrmann liest bei freiem Eintritt. Er hat Schnupfen, seine Frau liegt krank im Bett und hütet die junge Tochter, und er liest trotzdem bei freiem Eintritt. Weil er jung ist, voller Sturm und Drang und ohne Falsch.

Gehrmann ist Kolumnist. Bis vor kurzem, sogar bei der gedruckten Frankfurter Rundschau, wo der Kolumnismus weit verbreitet war. Gehrmanns Kolumne heißt „Tempo 30“ und beschäftigt sich mit der Lebenswelt der Generation, die mit Grausen sieht, dass sie demnächst das Zielpublikum einer Ü-30-Party darstellt. Die Kolumne gibt es immer noch im Internet. Sie ist hinreißend.
Dann wurde Sebastian Gehrmann schwanger. Also eigentlich seine Frau, aber die jungen Leute müssen heutzutage ja immer alles zusammen machen. Mit dem schwanger werden geht’s ihm wie Lukas Schaefer, dem werdenden Vater und Held seines Romans „Stresstest“, der seit Montag im Buchhandel ist. Dienstagabend stellte er ihn im Foyer der FR vor.

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„Was hier drin steht, ist Fiktion“, sagt Gehrmann mit Blick auf sein Buch. Aber das hat Alfred Neven DuMont auch gesagt, als er exakt an jener Stelle vor einigen Wochen seinen Roman „Vaters Rückkehr“ vorgelesen hat, und von wegen. Lukas Schaefer jedenfalls wird im Klappentext als einer beschrieben, „der sich einfach nicht entschließen kann, erwachsen zu werden“, und viele Kollegen glauben, darin zumindest Züge Gehrmanns wiederzuentdecken. Ein bisschen Autobiografie ist also wohl doch.

Aber auch Fiktion. Lukas Schaefer hat jedenfalls im Roman einen anständigen Beruf, nämlich Comiczeichner. Und Sebastian Gehrmanns Frau heißt in Wirklichkeit gar nicht Sophie. Und in Wahrheit hat er sich auch nie überlegt, ob er seine Tochter wirklich „Erdmuthe“ nennen sollte. Hat er jedenfalls nicht gemacht, und das Kind wird es ihm eines Tages danken.

Gut angelegtes Geld

„Stresstest“ ist als Aufbau-Taschenbuch erschienen und kostet 8,99 Euro. Es ist gut angelegtes Geld. Denn zum einen konnte Gehrmann nicht nur für die FR gut schreiben, er kann es auch für sich selbst. Der Applaus mag der Lohn des Künstlers sein – der junge Vater geht nach Brot. So könnte es zwei Gründe haben, wenn Sie in der Adventszeit bei der Lektüre wie aus weiter Ferne ein glockenhelles Lachen hören. Es könnte sich um Ihr eigenes handeln. Oder um das von Gehrmanns Tochter, die vor Freude quietscht, weil der Gabentisch dank Papas Verkaufszahlen mit mehr als drei Walnüssen gedeckt ist. Das ist vielleicht eine der schönsten Dinge, die Literatur leisten kann.

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