Hilal Sezgin, FR-Lesern als Mitglied der Feuilletonredaktion noch wohlbekannt, lebt derzeit in der Lüneburger Heide. Dort hat sie einen Roman geschrieben, der einiges Unmögliche möglich macht. "Mihriban pfeift auf Gott" - ein gewöhnungsbedürftig neckischer Titel, jedoch muss man im Nachhinein einräumen, dass er den Nagel auf den Kopf trifft - ist nämlich ein fabelhafter Unterhaltungsroman über einen mutmaßlich islamistischen Terroranschlag, über das Leben als Muslim in Deutschland und über den Umgang mit Religion. Man lacht sich kringelig, wenn Mihriban pädagogisch wertvolle Gespräche mit Kinderhortangestellten führen muss oder ihre Ferienbekanntschaften nicht leiden kann. Man rät fleißig mit, wer hier wohl der Oberterrorist ist.
Aber es ist dennoch keineswegs so, als würde Hilal Sezgin ernste Themen nicht ernst nehmen. Lustig macht sie sich bloß über den Umgang damit. Das hindert sie nicht daran, sehr genau zu beobachten. Man erkennt diese Leute (uns alle) sofort wieder: die Lächerlichkeit ihrer Vorurteile gegen andere Menschen, die Lächerlichkeit ihrer viereckigen Teller und ihrer mohrrübenförmigen Salatbestecke.
Und hier kommen noch ein paar möglich gemachte Unmöglichkeiten: Der Bruder von Mihriban, ein "Supermuslim" und zugleich klassischer (pünktlicher, ordentlicher, gesetzestreuer) Deutscher, ist viel zu perfekt, um wahr zu sein. Dieses Problem löst die Autorin aber geschickt: Auch Mihriban kann es kaum glauben. Oder: Natürlich ist "Mihriban pfeift auf Gott" der tausendste Berlin-Roman. Aber darum muss man sich gar nicht kümmern.
Mihriban selbst, die also in die tollsten Terrorabwehr- und Computer-Abenteuer verstrickt wird, ist eine wunderliche junge Frau. Um Politik und den lieben Gott hat sie sich bisher so ostentativ nicht gekümmert, dass sie zuerst furchtbar naiv wirkt. Wenn man jedoch genug gelacht und genug spekuliert hat, begreift man, dass die Autorin auch mit diesem großen Thema leichthändig, aber nicht leichtfertig umgeht: Mihriban ist einfach ein einzelner Mensch und besteht darauf, so zu leben, wie sie will. Ja, das ist der Welt rasch zu viel. Und ja, Hilal Sezgin gibt ihren Lesern auch Gelegenheit, ein bisschen von einer besseren zu träumen.