Die Verbrechen der deutschen Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg sind ein Thema, das sowohl in der Fachwelt als auch in der Öffentlichkeit kontroverse Debatten ausgelöst hat. Raffael Scheck verweist auf ein bislang kaum bekanntes Kapitel des Krieges: Auf der Grundlage zum Teil neu erschlossener Quellenbestände beschreibt und analysiert der Autor die Ermordung von mindestens 3000 schwarzen Soldaten aus Afrika durch deutsche Militärs während des "Westfeldzuges" 1940.
Zu Beginn des Krieges hatte die französische Armee ungefähr 100000 Männer in Westafrika rekrutiert, von denen drei Viertel in Frankreich ihren Dienst taten. Scheck räumt mit der verbreiteten Vorstellung auf, es habe sich beim Frankreich-Feldzug um eine letztlich recht zivilisierte Angelegenheit gehandelt. Manche deutsche Verbände, das betont der Autor mit Nachdruck, behandelten ihre Gefangenen durchaus entsprechend den Genfer Konventionen. Dieser Befund vermag jedoch nicht das "gebilligte Massaker" an afrikanischen Soldaten zu relativieren.
Hitlers afrikanische Opfer.
Verlag Assoziation A, Berlin/Hamburg 2009, 196 Seiten, 20 Euro.
Es gab, so Scheck, keinen expliziten Befehl zur Ermordung schwarzer Kriegsgefangener. Die Massaker waren nicht zuletzt Resultat einer Stigmatisierung schwarzer Soldaten und Kämpfer im öffentlichen Diskurs über viele Jahre, die sich bis in die Kolonialzeit zurückverfolgen lässt. Hinzu kam eine von Propagandaminister Goebbels orchestrierte massive rassistische Kampagne gegen Afrikaner, die etwa als bestialische "Tiere aus dem Dschungel" charakterisiert wurden. Die Wirkung auf die Wehrmachtssoldaten blieb nicht aus, wie Scheck durch die Analyse von Kriegstagebüchern nachweist.
Allerdings spielten auch situative Faktoren eine Rolle, etwa die Frustration über unerwartet hartnäckigen Widerstand oder die Angst deutscher Soldaten bei den Kämpfen gegen französische Igelstellungen. Scheck vermeidet pauschale Urteile und stellt heraus, dass die Behandlung schwarzer Kriegsgefangener durch die Wehrmacht insgesamt höchst widersprüchlich gewesen sei. Im Gesamtkontext des Zweiten Weltkrieges stellten die Massaker gegen afrikanischen Soldaten gleichsam "die mörderische Ouvertüre" zum Vernichtungs- und Auslöschungskrieg in der Sowjetunion dar.