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Literatur

03. September 2014

Ian Rankin Rebus-Krimi : Polizisten mit Abkürzungen

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Ian Rankin weckt „Schlafende Hunde“ in einem neuen Kriminalroman, der im Edinburgh der Vor-Referendum-Zeit spielt

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Bereits im vergangenen Jahr erschien Ian Rankins jüngster Kriminalroman im englischen Original. Aus diesem Grund – und sicher auch aus Gründen allgemeiner Haltbarkeit – spielt das am 18. September stattfindende Referendum über eine Unabhängigkeit Schottlands darin kaum eine Rolle. Zwar wird ein Befürworter des „Yes“ ermordet, doch Rankin bittet ausdrücklich darum, das nicht als politisches Statement zu betrachten. John Rebus, Rankins kantiger Ermittler, kommentiert den außergewöhnlichen Wahlkampf jedenfalls mit distanzierter Ironie: „Ich dachte, wir stünden am Beginn eines glorreichen neuen Zeitalters?“

Rankin, der Rebus doch schon in den Ruhestand geschickt hatte, nützte die Tatsache, dass das Pensionsalter in Schottland angehoben wurde, ja, dass sogar eine Rückkehr in den aktiven Dienst möglich ist: Da ist er also wieder, der alte Grantler, allerdings herabgestuft vom DI zum DS, Detective Sergeant. Und gleich haben ihn ein interner Ermittler und seine Vergangenheit am Wickel. „Schlafende Hunde“ werden geweckt.

„Saints of the Shadow Bible“ (so der Originaltitel) nannte sich die Polizistentruppe, in der einst ein blutjunger Rebus angelernt wurde. Man nahm so manche Abkürzung, forcierte schon mal ein Geständnis, fand, dass das Ergebnis die Mittel allemal heiligt. Einen Mordverdächtigen sollen die „Heiligen“ auf der Straße gelassen, die Untersuchungsergebnisse manipuliert haben, weil er ihr Informant war (klingt irgendwie nach NSU-Skandal). Man ist „hart am Wind gesegelt“ – und Rebus wurde das Segeln hart am Wind mit den Jahren vertraut. Zu vertraut vielleicht.

Ian Rankin hat seinen Ermittler in vielen Bänden – „Schlafende Hunde“ ist der zwanzigste – als fast schon zwielichtige Figur aufgebaut. Rebus bekennt sich dazu, „altmodisch“ zu sein, will aber sagen: nicht immer sind seine Methoden polizeilich korrekt. In einer kleinen Prolog-Epilog-Rahmenhandlung jagt er einem Verdächtigen Todesangst ein (oder eigentlich: lässt einjagen). Sein Motto: „Der Spaß liegt im Aufwirbeln.“

Von Zeiten, in denen es bei der Polizei so robust und sexistisch zuging wie in der BBC-Serie „Life on Mars“ erzählt dieser neue Rebus. Aber auch von stetig wachsenden Problemen wie dem Drogenschmuggel. Man könnte Ian Rankins Ermittler desillusioniert nennen, wenn sie denn je Illusionen gehabt hätten.

Der Schotte schreibt unglamouröse, bodenständige, realitätsnahe und gefühlsechte Romane. Sein Edinburgh ist eine düstere, verregnete Stadt vieler Klein- und ein paar Großkrimineller. Nur gut, dass es in ihr auch genug Pubs gibt. In denen kann man dann unter anderem wunderbar Ian Rankin lesen.

Ian Rankin: Schlafende Hunde. Kriminalroman. Aus dem Englischen von Conny Lösch. Manhattan, München 2014. 462 Seiten, 19,99 Euro.

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