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Interview Alfred Neven DuMont: "Also weitermachen, volle Pulle"

Der Verleger Alfred Neven DuMont im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau über seinen Roman "Reise zu Lena".

Der Verleger Alfred Neven DuMont hat einen Roman geschrieben: Reise zu Lena.
Der Verleger Alfred Neven DuMont hat einen Roman geschrieben: "Reise zu Lena".
Foto: dpa

Sie haben gerade Ihr Imperium arrondiert, sehr viel Geld ausgegeben für den Berliner Verlag und die Hamburger Morgenpost. Das macht man ja nur, wenn man mit der Zukunft rechnet. Gleichzeitig erscheint Ihr Roman. In der Frankfurter Verlagsanstalt. Der Held ist ein alter Mann, einer, der unfähig ist zu irgendeiner Entscheidung, der im Bett liegt und wie ein Baby mit seinen Fingern spielt.

Das eine hat mit dem anderen überhaupt nichts zu tun. Ich habe immer das Künstlerische auf der einen Seite geerbt, das Musische, das Introvertierte, das Krebsartige und auf der anderen Seite das Expandierende, das Kaufmännische und die Realität. Ich glaube, genau das sind die Voraussetzungen, ein guter Verleger zu sein. Deshalb ist es so bedauerlich, dass wir heute keine jüdischen Verleger mehr in Deutschland haben. Die hatten diese Elemente: die Realität und die Phantasie und das Kreative. Die vereinten das leichter in sich. Das deutsche Wesen ist eher spröde und einseitig. Intellektueller oder Manager.

Zur Person

Alfred Neven DuMont, 1927 in Köln geboren, ist Vorsitzender des Aufsichtsrats der Unternehmensgruppe M. DuMont Schauberg, die auch Mehrheitseignerin der Frankfurter Rundschau ist.

Im Frankfurter Literaturhaus liest Neven DuMont am 25. März aus seinem soeben erschienenen Roman "Reise zu Lena". Joachim Unseld führt in den Abend ein.

"Reise zu Lena" ist in der Frankfurter Verlagsanstalt erschienen, Frankfurt a. M. 2009, 255 Seiten, 19,90 Euro.

Im Sommer 06 / 07 dachte ich, ich sollte weniger arbeiten, sollte meinen Mitarbeitern weniger auf den Wecker fallen, mich also mehr zurückziehen, also introvertiert arbeiten. Ich hatte zuvor einen Nachkriegsroman geschrieben, der wirklich runtergehudelt war. Wenn ich jetzt wieder einen Roman schreiben würde, dann sollte der ordentlich geschrieben sein. Ich wollte mir Zeit nehmen, ihn Zeile für Zeile, gewissermaßen professionell, zu schreiben. Das habe ich dann getan.

Ich habe aber nicht von meiner Arbeit gelassen und statt ihrer den Roman geschrieben, sondern beides gemacht. In den Ferien, an den Wochenenden, in jeder Lücke setzte ich mich hin und schrieb an dem Roman. Völliger Blödsinn. Aber nichts Neues. Es ist nun mal ein Teil meines Wesens, dass ich etwas maßlos bin. Außerdem bin ich von einer schrecklichen Altersneugier getrieben. Ich möchte mich um alles kümmern. Das ist eine grauenhafte Veranlagung. Und ich möchte ein neues Leben, nicht nur das alte führen. Da ist eine neue Zeitung oder gar ein paar neue Zeitungen genau das Richtige. Ich bin ja ein leidenschaftlicher Zeitungsmann und sehe natürlich den Niedergang der Zeitung und glaube, dass man sich gerade deswegen jetzt um notleidende Kinder kümmern muss. Mein Sohn meinte völlig zu Recht: Ob man zwei, drei oder vier Zeitungen hat - das Problem bleibt dasselbe. Gut, sagten wir: Dann kaufen wir das eben noch dazu. Wir haben genügend Ressourcen. Wir mussten dafür nicht viel Geld aufnehmen. So etwas beruhigt natürlich. Deshalb jetzt Berlin. In Berlin präsent zu sein, ist ein alter Wunsch von mir. Jetzt hat es geklappt. Beim dritten Anlauf. Der erste war der sehr verwegene englische Presse-Lord Robert Maxwell, der kurz danach Selbstmord beging, indem er irgendwo vor den Kanarischen Inseln von seiner Yacht sprang. Da war bekannt geworden, dass er, um seinen Konzern vor der Pleite zu retten, an die Pensionsfonds seiner Angestellten gegangen war. Kriminell. Der hatte für gar nicht viel den Berliner Verlag von den Russen gekauft und wollte ihn an mich weiterverkaufen.

Wann war das?

Ich nehme an 1990, kein Jahr nach der Wende. Er zitierte mich nach Brüssel in seine zweitklassige Hotelsuite am Flughafen. Er haute sich auf die einzige Sitzliege - ich saß auf einem kleinen Hocker - und sagte: Mein Konzept ist fertig. Sie übernehmen 50 Prozent, ich übernehme 50 Prozent. Sie arbeiten, ich schaue zu, und wenn die Sache gut geht, dann bleiben wir zusammen und wenn nicht, dann muss ich mich anders entschließen. Darauf ließ ich mich nicht ein. Gruner & Jahr akzeptierte diese Bedingung. Am Schluss hatten sie den Verlag dann allein, weil der Mann Pleite machte. Der zweite Anlauf war der mit Holtzbrinck. Dieter von Holtzbrinck hatte mir versichert, dass wenn sie den Berliner Verlag aus kartellrechtlichen Gründen verkaufen müssten, wir ihn bekommen könnten. Sein Bruder Stephan von Holtzbrinck, der dann Geschäftsführer war, setzte sich darüber hinweg und verkaufte den Verlag an Mecom. Warum? Wir hätten genauso viel dafür bezahlt. Das liegt jetzt vier Jahre zurück. Dann haben wir die Frankfurter Rundschau gekauft. Als wir jetzt das dritte Mal die Chance hatten, den Berliner Verlag zu kaufen, haben wir es endlich tun können. Wir freuen uns darüber und freuen uns auf die Arbeit am und mit den Mitarbeitern des Berliner Verlages.

Die Hamburger Morgenpost gehört ja auch dazu. Hamburg, Berlin, Köln, Frankfurt. Das ist doch fast schon eine nationale Zeitung.

Sie müssen schon trennen zwischen den Boulevardzeitungen und den Abonnementzeitungen. Wenn alles klappt, übernehmen wir kommende Woche offiziell die Blätter der Mecom-Gruppe. Wir werden niemanden mit irgendwelchen Dingen überfallen. Wir müssen uns ja erst einmal bekannt machen.

Gibt es eine stärkere Kooperation oder ein Zusammenwerfen?

Wir wollen mit allen gemeinsam, mit euch, mit Köln, mit Berlin erarbeiten, was wir tun können, ohne dass das Profil der einzelnen Zeitungen darunter leidet. Es geht ja nicht darum, dass wir jemandem etwas wegnehmen, sondern darum, dass wir allen etwas hinzufügen möchten. Nehmen Sie zum Beispiel den Reporterpool. Die können natürlich alle bleiben, wo sie sind. Nehmen Sie das Berliner Büro. Am Schluss könnten alle zusammen eines haben, das größer ist als das der FAZ. Wir sind dann wirklich toll ausgestattet. Das geht überhaupt nicht zu Lasten der einzelnen Redaktionen.

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Datum:  19 | 3 | 2009
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