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Literatur

20. November 2012

Jesus-Buch Benedikt XVI.: Papst veröffentlicht drittes Jesus-Buch

 Von Joachim Frank
Die Papst-Trilogie über Jesus von Nazareth werden in 50 Ländern verkauft.Foto: dapd

In seinem dritten Jesus-Buch widmet sich Papst Benedikt XVI. der Geburt und Kindheit des Gottessohns - weitestgehend in milden Glanz getaucht, passend zur Weihnachtszeit. Nur an wenigen Stellen wirkt noch die Streitlust des Professors Joseph Ratzinger nach.

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Bei der Verschönerung einer Immobilie kann sich der Eigentümer auf die Fassade konzentrieren oder aber auf den Innenraum. Im ersten Fall wirkt das Gebäude anschließend attraktiver auf alle, die sich ihm von außen nähern. Im zweiten Fall wird es behaglicher für die Bewohner. Benedikt XVI. hat sich bei seiner Annäherung an die Gestalt Jesu Christi für die zweite Variante entschieden. Als eine „Art kleiner Eingangshalle“ kennzeichnet der Papst den letzten Teil seiner Jesus-Trilogie. Der schmale Band, den der Verlag durch ein umfangreiches Glossar auf handelsüblichen Umfang gebracht hat, ist Geburt und Kindheit Jesu gewidmet. Benedikt spricht als Glaubender zu Glaubenden. So stehen die dogmatischen Aussagen über Jesus als Sohn Gottes und Erlöser der Welt von Grund auf fest. Sie sind das Fundament, auf dem Benedikts Bau ruht.

Nach den ersten beiden Teilen, in denen Benedikt das Wirken Jesu als Lehrer (2007) sowie Leiden, Tod und Auferstehung (2011) behandelt hatte und dabei über weite Strecken scharf mit der positivistisch-philologischen Bibelwissenschaft ins Gericht gegangen war, ist der abschließende Teil selbst in jenen milden Glanz getaucht, der sich in Tradition und Brauchtum mit Weihnachten als dem Geburtsfest Jesu verbindet. Nur an wenigen Stellen wirkt noch die Streitlust des Professors Joseph Ratzinger nach. Etwa wenn er in den Schriftgelehrten am Hofe des Königs Herodes, die nach dem Geburtsort des Jesuskinds als „König der Juden“ gefragt werden, aber aus ihrem Wissen keine Konsequenzen ziehen, das Bild einer Theologie zu erblicken glaubt, „die sich im akademischen Disput erschöpft“.

Ratzingers Deutungen sind feinfühlig und geistvoll

Hoffnung für alle: eine Holzstatue aus Bolivien, 1752.
Hoffnung für alle: eine Holzstatue aus Bolivien, 1752.
Foto: AFP

Es bleibt bemerkenswert, wie der Papst als höchste kirchliche Lehrautorität von der Kathedra Petri steigt und auf den Katheder des Professors klettert, nur um „jenen Vorschuss an Sympathie“ bittend, „ohne den es kein Verstehen gibt“, wie er im ersten Band der Trilogie schreibt. Wie immer in Ratzingers Denken, spielt die Theologie der Kirchenväter eine entscheidende Rolle. Sie ist seine geistige Heimat, auch in dem Weihnachtsbuch. Ratzingers Deutungen atmen selbst patristischen Geist, sie sind feinfühlig, geistvoll und – im besten Sinn des Wortes – spekulativ. Und sie rühren an die Gegenwart. So werden die Hirten, die zum Kind in der Krippe eilen, zum Sinnbild christlichen Eifers: „Welche Christen eilen heute, wenn es um die Dinge Gottes geht? Wenn etwas Eile verdient, dann sind es Dinge Gottes.“ Das wolle der Evangelist „uns wohl im Stillen sagen“, fügt Benedikt hinzu. Er will seine pastorale Adaptation dem Text nicht überstülpen, sondern sie als geistliche Frucht pflücken. Darin ist der Papst zurückhaltender als manche Exegeten in wissenschaftlicher Selbstgewissheit.

Eine Quelle der biblischen Überlieferung sind für Benedikt persönliche Erinnerungen Marias, der Mutter Jesu. Aus Gründen der Pietät hätten die frühen Christen diese Informationen erst nach Marias Tod weiterverbreitet, argumentiert er durchaus kühn. Benedikt folgt dem Forschungskonsens, wonach die Autoren des Neuen Testaments Jesus als Erfüller der alttestamentlichen Verheißungen darstellen. Aber er verdichtet dieses literarische Schema zu einem heilsgeschichtlichen Geschehen. „Es gibt im Alten Testament Worte, die sozusagen noch herrenlos bleiben. Der wahre Eigentümer der Texte lässt noch auf sich warten. Erst wenn er erscheint, erhält das Wort seine volle Bedeutung. Die urchristliche Geschichtsschreibung besteht gerade auch darin, dass sie diesen wartenden Worten ihren Eigentümer gibt.“

Maria und die Jungfrauengeburt

Die „Jungfrauengeburt“, von Benedikt zu Recht als „Skandal für den modernen Geist“ bezeichnet, ist für ihn nicht ein „weiterentwickelter Mythos“, sondern „Leuchtzeichen der Hoffnung“ und Prüfstein des Glaubens an einen Gott, dem auch die Materie gehört. „Natürlich darf man Gott nichts Unsinniges oder Unvernünftiges oder zu seiner Schöpfung Widersprüchliches zuschreiben. Aber hier geht es nicht um Unvernünftiges und Widersprüchliches, sondern gerade um das Positive – um Gottes schöpferische Macht.“ Damit steht und fällt für Benedikt der Glaube überhaupt: #image

„Wenn Gott nicht auch Macht über die Materie hat, dann ist er eben nicht Gott.“ Wer bereit ist, dem Autor auf solchen Denkwegen zu folgen, wird zu einer Fülle geistlicher Vertiefungen gelangen. Joseph Ratzinger, der Professor, tritt in seiner theologischen Summe als Mystagoge auf, als Lehrmeister und Seelenführer in die Geheimnisse des christlichen Glaubens.

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