Literatur

08. November 2012

Ken Folletts "Tore der Welt" im TV: Bei Ken Follett müssen Tränen fließen

Es wird wieder gehauen und gestochen, was die blanken Klingen hergeben: Szene aus „Die Tore der Welt“, demnächst auf Sat.1. Foto: Sat.1

Der Erfolgsautor Ken Follett spricht im Interview über das Fernsehen und die Verfilmung seiner „Tore der Welt“. Das Mittelalterepos läuft Anfang Dezember im deutschen Fernsehen.

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Der Erfolgsautor Ken Follett spricht im Interview über das Fernsehen und die Verfilmung seiner „Tore der Welt“. Das Mittelalterepos läuft Anfang Dezember im deutschen Fernsehen.

Der Bestsellerautor Ken Follett feiert Doppelpremiere. Gerade erschien der zweite Teil seiner Trilogie „Jahrhundert-Saga“ namens „Winter der Welt“, Anfang Dezember läuft die Adaption seines Mittelalterepos „Die Tore der Welt“ auf Sat.1. Ein Gespräch über gesendete Literatur, den Helden seiner Kindheit und Tränen im Kino.

Mister Follett, was machen Sie eigentlich heute Abend?
Es wird wahrscheinlich ein ruhiger Abend, so, wie ich ihn liebe, nur mit meiner Frau. Ich bereite wie immer das Dinner, dann setzen wir uns gemütlich zusammen und lesen.

Sie gehen also nicht ins Kino?
Ah, jetzt weiß ich, worauf Sie hinauswollen. Aber den neuen James Bond habe ich natürlich gleich, nachdem er in England angelaufen ist, gesehen. Ein wunderbarer Samstagnachmittag, einer der besten Bonds aller Zeiten. Daniel Craig ist unglaublich!

Löst er damit Sean Connery als Helden Ihrer Jugend ab?
Sicher nicht! Wobei ich als Kind vor allem Ian Flemings Bücher gelesen habe. Als ich Bond darin kennenlernte, wollte ich nicht mehr Pirat oder Cowboy sein, sondern 007. Ein Zwölfjähriger auf der Suche nach Persönlichkeit ist ja an allem interessiert, was aus Kindersicht männlich ist: Autos, Zigaretten, Sex, Cocktails. Hinzu kam der Lifestyle mit schönen Frauen in eleganten Hotelbars – all dies wurde in den Filmen sogar noch plastischer.

Zur Person

Ken Follett wurde am 5. Juni 1949 in Cardiff (Wales) geboren. Sein Durchbruch als Schriftsteller gelang ihm 1978 mit dem Roman „Die Nadel“. Seither schreibt er ohne Unterlass, seine Bücher verkaufen sich millionenfach.

Sat.1 verfilmte bereits vor zwei Jahren seine erfolgreiche Mittelalter-Saga „Die Säulen der Erde“. Ab 3. Dezember zeigt der Sender jeweils ab 20.15 Uhr die vierteilige Fortsetzung „Die Tore der Welt“.

Deshalb durften Sie die als Jugendlicher auch nicht sehen.
Auf keinen Fall! Meine Eltern waren gottesfürchtige Christen, für die jede Form elektronischer Unterhaltung teuflisch war. Wir hatten nicht mal Fernsehen! Wenn Samstagmorgens alle, ich betone: alle Kinder im Kino waren, habe ich gelesen.

Hat Sie das zum Schriftsteller gemacht?
Schon, auch wenn ich es für scheußlich ungerecht hielt und durchs Zeitungsaustragen erst mit 13 Jahren etwas hinzuverdienen und von dem Geld ab und zu heimlich ein Kinoticket kaufen konnte. Heute habe ich selber einen Fernseher und schaue sehr gern. Aber das Lesen hat Fantasie und Kreativität bei mir gefördert. Die Startbedingungen waren nahezu perfekt.

Wären Sie mit Fernseher etwas anderes geworden?
Wer weiß, ob er mich nicht schon damals so gelangweilt hätte, wie er es jetzt oft tut. Andererseits werden heute alle Schriftsteller von Film und Fernsehen beeinflusst. Wer Erfolg haben will, muss seine Bücher wie Filme konstruieren.

Dieser Tage erscheint erst Ihr neuer Roman und ein alter läuft als Vierteiler im Fernsehen – was ist Ihnen wichtiger, der Erfolg im Buchladen oder am Bildschirm?
Mir ist beides wichtig, aber zunächst muss natürlich das Buch Erfolg haben, bevor es wie hier für eine Verfilmung mit 40-Millionen-Dollar-Budget infrage kommt. Ich sehe es pragmatisch: Je mehr Bücher verfilmt werden, desto mehr Menschen lernen die Geschichten kennen. Meine Bücher verkaufen sich wirklich gut in Deutschland, aber nicht annähernd in der Auflage, die die Verfilmungen an Publikum haben.

"Im Kino ist es mir peinlich zu heulen"

Und darum geht es Ihnen – viel Publikum?
Ja, vom Beginn meines Schreibens an. Ich wollte nie Preise gewinnen, auch wenn es ein paar gab. Die Zuschauerresonanz war mir immer wichtiger als gute Kritik im Feuilleton.
Es wird auch an „Tore der Welt“ wieder bemängelt, dass die Opulenz zu Lasten des Inhalts geht.

Ich liebe die Filme! Ihre Geschichte ist gut erzählt, eine dramatische Szene jagt die nächste, es ist stets unterhaltsam und hat wie „Säulen der Erde“ dieses tolle Mittelalteraroma: Kostüme, Gebäude, Dramaturgie – alles ergibt Sinn. Außerdem haben wir eine hervorragende Schurkin.

Schurkinnen sind Ihr Steckenpferd.
Absolut. Als ich 1978 in „Die Nadel“ eine Heldin abseits der alten Rollenmuster baute, waren Frauen in Agentengeschichten Geliebte oder Opfer. Dass diese Emanzipation auch die böse Seite erobert, war nur konsequent.

Dann wird es Zeit für ein Buch über starke Frauen an sich.
Sie werden lachen – ich plane eines über die Frauenbewegung, Suffragetten, all dies.

Nun ist mit „Winter der Welt“ erstmals der zweite Teil Ihrer modernen Familientrilogie erschienen. Gibt es da Parallelen zur Verfilmung von „Tore der Welt“?
Einige sogar. Es sind epische Geschichten, die über lange Zeiträume enorm viele Charaktere in realen historischen Ereignissen miteinander verknüpfen. Die Grundidee ist ähnlich, auch wenn die Zeiten völlig verschieden sind.

Mögen Sie lieber den großen Historienroman oder die zeitgemäße Erzählung?
Weder noch. Beides erfordert dasselbe Ausmaß an Recherche. Das neue Buch endet schließlich in meinem Geburtsjahr 1949 mit dem Ausbruch des Kalten Krieges und beginnt 1933 in Berlin mit dem Versuch, Hitlers Machtergreifung zu verhindern. Die Geschichte von fünf Familien aus Deutschland, Russland, Amerika, England und Wales mag fiktiv sein, aber das Umfeld ist real. Mehr noch als im Mittelalterroman bewege ich mich also auf historisch belegbarem Terrain. Da ist ratsam, jedes Detail genauestens nachzuprüfen.

Diese Nachprüfbarkeit ist der Schlüssel Ihres Erfolgs.
Es ist nur ein Schlüssel. Wichtiger ist, emotionale Reaktionen zu erzeugen – Trauer, Rührung, Wut. Bücher können komisch, intelligent, lehrreich und einfach schön geschrieben sein: So lange sie uns nicht hier im Herzen berühren, bleiben sie kommerziell erfolglos. Obwohl es eine erfundene Geschichte im realen Rahmen ist, habe ich meinen Job erledigt, wenn beim Lesen Tränen fließen.

Wann ist Ihnen das zuletzt passiert?
Das passiert oft. Bücher und Taschentücher liegen bei mir nebeneinander. Filme ergreifen mich sogar noch mehr, aber nur, weil uns ihre Sensorik stärker manipuliert. Deshalb ist es mir im Kino immer leicht peinlich zu heulen. Beim Lesen nie.

Das Interview führte Jan Freitag.

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