Einige vorzügliche südafrikanische Krimiautoren sind in jüngerer Zeit bei uns bekannt geworden. Sie schreiben harte, actionreiche Bücher; fast könnte man meinen, sie haben einen Heimvorteil dadurch, dass Südafrika nicht gerade arm ist an Elend und dem vor allem aus diesem Elend entstehenden Verbrechen. Man liest diese Bücher jedenfalls mit einem anderen Gefühl als zum Beispiel einen skandinavischen Serienmörder-Roman. Der schwedische Mörder tötet meist auf psychologisch sozusagen fundierter Basis. Dem südafrikanischen Mörder haben Drogen oft so viel Hirn weggefressen, dass nicht einmal er selbst weiß, was er gleich Fürchterliches tun wird.
Von Roger Smith, Jahrgang 1960, ist dieser Tage bei Tropen der zweite Roman erschienen, "Blutiges Erwachen". Wie in "Kap der Finsternis" greifen die Mordrädchen erneut mit atemberaubender Schicksalhaftigkeit ineinander: Nur weil das von ihrem Mann misshandelte Ex-Model Roxy einen Raubüberfall spontan dafür nutzt, ihn mit der Waffe eines der Täter zu erschießen, wird ein Bandenkrieg und werden andere Abrechnungen in Gang gesetzt. Der Waffenhändler und Lieferant von Söldnern etwa für den Irak-Krieg schuldet hier und da noch Geld. Und hat sich sowieso nicht nur Freunde gemacht. Bei Smith sind die verloren, die zwischen die Fronten geraten und nicht die Mittel besitzen, einen Bodyguard oder Killer zu engagieren. Selbst im ärmsten, dreckigsten Teil Kapstadts wollen einige einfach nur ihr kleines, redliches Leben führen. Und werden zum Kollateralschaden. Die Kinder der Privilegierten lernen, mit Waffen umzugehen. Die anderen, den jähzornigen Liebhabern ihrer Mutter aus dem Weg zu gehen. Und sich mit billigen Drogen zu trösten.
Roger Smith, der auch als Drehbuchschreiber und Regisseur arbeitet, treibt die Handlung unerbittlich voran. "Blutiges Erwachen" ist ein Galopp durch eine Hölle, von der das südafrikanische Fremdenverkehrsamt bestimmt nichts wissen will.
In Deon Meyers Roman "Dreizehn Stunden" ist Südafrika nicht ganz so korrupt und kaputt und unberechenbar. Aber die Polizei kommt erst so richtig in Schwung, als das Leben einer amerikanischen Touristin bedroht ist. Ausführlicher als Smith thematisiert Meyer, Jahrgang 1958, die Spannungen zwischen Südafrikanern unterschiedlicher Hautfarbe: Der weiße Inspector Benny Griessel wird von seinen schwarzen Chefs quasi aufs Mentoren-Abstellgleis geschoben. Und der einzige farbige Polizist unter den Mentees hat das Gefühl, nur der Quoten-Farbige sein zu dürfen.
Die Kapitel von "Dreizehn Stunden" sind nach Uhrzeit gegliedert. Die junge Amerikanerin, die beobachtet hat, was sie nicht hätte beobachten dürfen, flieht kreuz und quer durch Kapstadt, trifft überwiegend auf Misstrauen statt Hilfe, während die Polizei versucht, sowohl ihre Verfolger als auch sie schnellstmöglich zu finden. Dazu kommt der Mord an einem bekannten Musikproduzenten, so dass Griessel und seine Mentees wie die Billiardkugeln durch die Stadt schießen. Was im Fall des Inspekteurs eher gut ist: Da vergisst er, sich nach Alkohol zu sehnen.
Deon Meyers Griessel-Krimis sind die traditionellere Kost, zudem nicht so dunkel von Blut und Gewalt wie Roger Smiths Thriller. Meyer erzählt ausführlicher von den gesellschaftlichen Spannungen, von alten Verletzungen, die zu teilweise extremer Vorsicht im Umgang miteinander führen. Man ahnt, dass es noch ein langer Weg ist zu Gleichheit und Ungezwungenheit. Und dass alle paar Kilometer ein Höllenloch lauert, glühend heiß wie Smiths Roman.
Deon Meyer: Dreizehn Stunden. Aus dem Afrikaans v. Stefanie Schäfer. Rütten & Loening 2010, 470 S., 19,95 Euro. Roger Smith: Blutiges Erwachen. Aus dem Englischen von Jürgen Bürger und Peter Torberg. Tropen 2010, 356 Seiten, 19,90 Euro.
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