Wie - schon wieder Buchmesse? Da stapelt sich noch so viel Ungelesenes im Regal, und schon drängen die nächsten gefühlten 150.000 Neuerscheinungen auf den Markt. Wer soll denn das alles lesen?
Jedes Jahr dieselbe Frage - und wie stets gibt es darauf keine Antwort. Gut, frage ich diesmal anders: Wie soll ich künftig lesen? Weiterhin klassisch, auf Papier - auf dass der Stapel weiter wächst? Oder soll ich es nun doch mal elektronisch versuchen?
E-Books sind ja keine brandneue Erfindung; in den letzten gut zehn Jahren fristete digitale Literatur eher ein Nischendasein - auch in meinem Leben. Hier und da hab ich mal ein Buch im pdf-Format heruntergeladen - um es dann doch, als gerade niemand hinschaute, auszudrucken. Zu ermüdend empfinde ich das längere Lesen am Bildschirm, und zu ungemütlich, dauerhaft mit dem Laptop auf den Knien auf dem Sofa zu sitzen. Und mit einem Stapel DIN-A4-Ausdrucken kommt auch nur schwerlich Schmöker-Stimmung auf.
Dabei gehöre ich eigentlich zur Zielgruppe für E-Books. Ich verdiene als Online-Journalistin mein Geld mit dem Internet, lade mir Stadtpläne, Kinoprogramme, Zugverbindungen nach Bedarf aufs Handy, verwalte meinen Terminkalender online ... Aber Bücher lesen ohne Bücher? Nein, damit konnte ich mich bislang nicht anfreunden. Das liegt natürlich auch an der Sache mit der Haptik. Während ich bei Zeitungen inzwischen ohne jedes Verlustgefühl darauf verzichten kann, Papier in Händen zu halten (und Druckerschwärze an den Fingern zu haben), hänge ich beim Bücher lesen dann doch daran. Ich gehöre nämlich zu den seltsamen Zeitgenossen, die Literatur gerne anfassen, durchblättern, sogar daran schnuppern. Ich mag die Spuren der Zeit bei antiquarischen Bänden, die bestoßenen Ecken und gebräunten Seiten, die Zeugnis davon geben, dass dieses Buch jahrzehntelang in Gebrauch war, zig Mal gelesen, vor langer Zeit den einen vielleicht gefesselt, die andere womöglich unberührt gelassen, und mit Sicherheit in weit mehr als nur einem Regal gestanden hat. Bedauernswerte Nachgeborene, die in 100 Jahren an einer fingernagelgroßen Chipkarte riechen müssen
Und doch: Ganze Bibliotheken, die man auf winzigen Datenträgern ständig bei sich haben kann - eine faszinierende Vorstellung. Spätestens beim Kofferpacken für die Urlaubsreise büßt nämlich das Argument mit der Haptik doch drastisch an Bedeutung ein. Wäre es nicht wunderbar, für jede erdenkliche Stimmungslage die passende Literatur bei sich zu haben - ganz ohne Schrankkoffer? Wie gesagt: Technisch ist das ja schon lange möglich. Wenn es jetzt noch ein bedienungsfreundliches Lesegerät gäbe - nicht so schwer wie ein ausgewachsener Laptop, aber auch nicht so klein wie ein PDA, mit einem Display, das die Augen nicht über Gebühr anstrengt, und mit einer Schnittstelle ins Web, zum spontanen Herunterladen von Lesestoff Ich schau es mir auf der Buchmesse einfach mal an, das (den?) Kindle. Wer weiß, vielleicht hat das Lesegerät aus dem Hause Amazon das Zeug dazu, mich zur digitalen Literatur zu bekehren. Und natürlich werfe ich auch einen Blick auf den (das?) Readius, ein Handy mit ausrollbarem Bildschirm.
Das Schicksal von Printprodukten im Online-Zeitalter beschäftigt alle Verlagshäuser - auch die Frankfurter Rundschau, für die ich arbeite. Mal sehen, ob die Buchmesse neue Konzepte im Bereich Crossmedia bietet: Wie publiziert man Inhalte medienübergreifend - für Papier und Bildschirm, für Online- und Offline-Nutzung, und spielt dabei die Stärken der einzelnen Kanäle optimal aus? Und wie können Verlage von der Mitmachkultur im Netz nicht nur finanziell, sondern vor allem inhaltlich profitieren? Bislang beschränkt sich dieser Versuch in vielen Fällen darauf, möglichst billig an verwertbaren Content zu gelangen. Wer weiß, vielleicht beschert die Messe mir da die eine oder andere neue Idee - um es selbst besser zu machen.