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Literaturhaus Frankfurt: Brecher und Rammer

Schöffling gibt das Werk von Ror Wolf heraus: Die Präsentation war ein so stimmiger wie stimmungsvoller Abend; nicht zuletzt, weil Ror Wolf selbst einen seiner seltenen Auftritte gab. Von Christoph Schröder

Der wichtigste Dichter der Gegenwart: Ror Wolf.
"Der wichtigste Dichter der Gegenwart": Ror Wolf.
Foto: Anspach/dpa

Wenn er früher den Begriff Werkausgabe gehört habe, erzählt Verleger Klaus Schöffling, dann habe er damit spontan stets die MEW, die Marx-Engels-Werkausgabe also, verbunden. Da fügt es sich doch, dass Schöffling nun ein nicht ganz so umfangreiches, aber doch gewaltiges Projekt in Angriff genommen hat: die RWW, die Ror-Wolf-Werkausgabe; angelegt auf 13 Bände, doch man kann ja nie wissen, was noch hinzu kommt. Die ersten beiden Bände sind in diesen Tagen erschienen. Im Frankfurter Literaturhaus stellten der Verleger und der Literaturwissenschaftler Friedmar Apel, für die Herausgabe der Gedichte verantwortlich, das Projekt vor. Der Schauspieler Walter Renneisen las aus Wolfs Texten.

Es war ein Pflichttermin für die Frankfurter Literaturgesellschaft und ein so stimmiger wie stimmungsvoller Abend; nicht zuletzt deshalb, weil Ror Wolf selbst einen seiner seltenen Auftritte absolvierte und mit zum Teil stehenden Ovationen begrüßt wurde. Renneisen trug zunächst aus den in den 70er Jahren entstandenen "Rammer und Brecher-Sonetten" vor, in denen sich die Fußballbegeisterung des Autors, das Gefühl für Sportfloskeln und die nicht weit davon entfernte Sportpoesie mit der klassischen Gedichtform auf das Prächtigste verbinden: "Eventuell beißt man im Herbst schon in den Abstiegskuchen." Oder so: "Ist das denn die Möglichkeit? Das sind doch Krücken, liebe Zeit." Oder auch so: "Nun bricht der Brecher durch, er explodiert im Mittelfeld."

Apel hielt eine bemerkenswerte Rede, die zwischen wissenschaftlicher Begriffserklärung und feiner Ironie wandelte, ohne die Wissenschaft oder den von ihr behandelten Gegenstand der Lächerlichkeit preiszugeben. Wir wissen nun also, mit Trappatoni, dass Fußball nicht nur ding, sondern auch dang und dong ist und Ror Wolf "der wichtigste Dichter der Gegenwart". Dass der Frankfurter Maik Franz die seltene Union von Brecher und Rammer in einer Person ist. Und dass Ror Wolfs Gedichte in bester Petrarca´scher Tradition von der Flüchtigkeit, der Unwiederbringlichkeit und der Schönheit des Augenblicks erzählen. Apel fuhr die großen Namen und Begriffe auf: Emergenz und symbolisch generalisiertes Kommunikationsmedium, Popper, Luhmann, Hegel - alles drin. Und lustig war es trotzdem.

Zum Schluss gab es noch ein paar Einträge aus "Raoul Tranchirers Enzyklopädie für unerschrockene Leser". Die wird die RWW auch brauchen. Wie schrieb der Autor einmal in einer Postkarte an den Verleger: "Lieber Klaus, so ist es gut. Herzlich, Dein Ror."

Autor:  Christoph Schröder
Datum:  3 | 11 | 2009
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