Literatur

06. Dezember 2012

Literaturkritik: Eine blutige Angelegenheit

 Von Cornelia Geissler
Foto: DuMont

Es gibt Action, es gibt Verzweiflung. Es gibt einfach alles. Es ist ein Buch, das uns zum Lachen und zum Weinen gebracht hat. Die Rede ist von Tilman Rammstedts Roman „Die Abenteuer meines ehemaligen Bankberaters“.

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Berlin –  

Es ist unglaublich komisch, es ist überaus klug. Es ist rasant, es ist rührend, es ist poetisch. Es hat genau die richtige Länge. Was kann man Schöneres über ein Buch sagen? Ein Autor, dessen Roman so empfohlen wird, muss einfach glücklich sein. Auf Youtube kann jeder hören, wie sich die Leser vor Begeisterung überschlagen: Es gibt Action, es gibt Verzweiflung. Es gibt einfach alles. Es ist ein Buch, das uns zum Lachen und zum Weinen gebracht hat. Die Rede ist von Tilman Rammstedts Roman „Die Abenteuer meines ehemaligen Bankberaters“. Jetzt hat der DuMont Buchverlag den Trailer zum Buch ins Netz gestellt.
Gerade noch rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft. Buchhändler haben ja heute kaum noch Zeit, Bücher zu lesen, Buchkäufer verlassen sich zunehmend auf die eigene Recherche im Internet. Ein Filmchen im Netz kann da nur nützlich sein. 18,99 Euro kostet das Buch, wer so viel für ein Geschenk anlegen soll, muss wirklich überzeugt sein.
Die Video-Aussagen sind überzeugend. Ich wollte mir die besten Stellen anstreichen, aber es gibt nur beste Stellen, sagt eine junge Frau. Ein Mann ergänzt: Ich habe einfach gleich das ganze Buch angestrichen. Ich auch, spricht eine weitere Leserin, und ich habe überall Smileys und Herzen an den Rand gemalt.
Noch werden die Bestellerlisten vom stets auf leicht verständlichen Humor bedachten Tommy Jaud (Spiegel/Buchreport) und dem siebenten Teil des Jungs-Comic-Romans „Gregs Tagebuch“ (Media Control) angeführt. Der „ehemalige Bankberater“ taucht nicht einmal unter den ersten zwanzig auf. Da musste noch was getan werden.
Wort für Wort, Satz für Satz sprechen in dem Trailer für Tilman Rammstedts Buch. Nur sehen die Gestalten, die da Auskunft geben, so traurig, verzweifelt, gequält aus. Der eine hat eine dicke Delle auf der Stirn, die andere eine schiefe Lippe, dem kleinen Mädchen läuft ein roter Faden aus der Nase. Einmal, als ein Mann mit zugeschwollenem Auge gerade wieder „Super!“ sagt, fordert eine Stimme aus dem Off: „Überzeugter!“ Ja, sind die denn alle vom Autor gezwungen worden?
Die Zeiten sind hart. Die Deutschen kaufen zu Weihnachten lieber Computerzubehör und Kosmetikartikel als Bücher. Und die, die Bücher kaufen, müssen aus tausenden Titeln auswählen. Man kann als Autor gar nicht genug für sein Werk tun. Hier war es offenbar eine blutige Angelegenheit. Allen Beteiligten geht es den Umständen entsprechend gut, heißt es unter dem Film.
Übrigens passt das alles hervorragend zum Roman. Tilman Rammstedt schreibt über Tilman Rammstedt und seinen Bankberater äußerst klug und vergnüglich.

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