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Literatur

02. Juni 2014

Marc Engelhardt: Heiliger Krieg, heiliger Profit: Mafiöse Strukturen

 Von 
Protest gegen die Islamisten der Boko Haram in Nigeria.  Foto: REUTERS

Die Führer der Islamisten mögen gläubig sein oder auch nicht, vorrangig geht es ums Geschäft: Der Journalist Marc Engelhardt hat ein Buch über islamistischen Terror und die Macht des Geldes geschrieben.

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Es sind Bilder, die sich einprägen: 130 Mädchen, mit Kopftuch und in traditionelle muslimische Gewänder gehüllt, posieren wie auf einem großen Klassenfoto, aber keines lacht – es sind christliche Mädchen, aus einer nigerianischen Schule entführt von der islamistischen Boko Haram, was so viel heißt wie „Bücher sind Sünde“.

Ist der Terror nur Ausdruck von Fanatismus? Ist es nur religiöser Verblendung geschuldet, wenn in den letzten fünf Jahren in Nigeria Tausende von Menschen getötet wurden? Geht es um einen Krieg zwischen christlichem Süden und islamischem Norden? Ein eben erschienenes Buch spürt diesen Fragen nach. Im Titel steckt schon die Kernthese: „Heiliger Krieg, heiliger Profit“.

Das Buch

Marc Engelhardt: Heiliger Krieg, heiliger Profit. Christoph-Links-Verlag, Berlin 2014. 222 Seiten, 16,90 Euro.

Autor ist der Journalist Marc Engelhardt, der sieben Jahre lang (von 2004 bis 2011) aus Nairobi berichtet hat. Engelhardt hat immer wieder in Somalia, Uganda, in der Zentralafrikanischen Republik, in Nigeria und Mali recherchiert, allesamt Staaten, die von islamistischen Terroristen destabilisiert werden. Er zeigt, dass sich hinter dem politischen Islamismus ein System organisierter Kriminalität verbirgt, das sich als radikale religiöse Bewegung drapiert. Die Führer der Islamisten mögen gläubig sein oder auch nicht, vorrangig geht es ums Geschäft.

Ruhe gegen Schutzgeld

Der Gründer von Boko Haram erhielt jahrelang massive finanzielle Unterstützung vom Gouverneur des nigerianischen Gliedstaates Borno, für dessen Wahl er – nach mafiöser Absprache – eifrig in Moscheen und Armenvierteln geworben hatte. Zu den wichtigsten Einkommensquellen der Terrororganisation zählen heute Schutzgelder, die die Islamisten Geschäftsleuten, Bürgermeistern, Investoren und sogar Gouverneuren abpressen und denen sie im Gegenzug versprechen, ihr Territorium in Ruhe zu lassen.

Die Terroristen der Al Kaida im islamischen Maghreb (Aqmi), die vor zwei Jahren den Norden Malis besetzten und ein streng religiöses Regime errichteten, bevor sie von der französischen Armee vertrieben wurden, finanzieren sich im Wesentlichen über den Schmuggel von lateinamerikanischem Kokain und die Erpressung von Lösegeld für die Freilassung entführter Personen. In Somalia hat die Shaabab, ebenfalls dem Netzwerk Al Kaida zugehörig, die einst einflussreiche Schura, den religiösen Rat der Organisation, entmachtet und schließlich sogar aufgelöst, um ungestört ihren Geschäften nachgehen zu können.

Wie aber kann die Macht der Islamisten gebrochen werden? Das Wichtigste, sagt Marc Engelhardt in seinem Buch, ist die Austrocknung ihrer Finanzquellen. Kein leichtes Unterfangen. Aber wenn das nicht gelingt, werden auch militärische Interventionen, so geboten sie sein mögen, um ein Terrorregime wie in Mali zu beenden oder einem Massenmord wie in der Zentralafrikanischen Republik Einhalt zu gebieten, weder eine Stabilisierung der afrikanischen Staaten noch ein Ende der von Islamisten organisierten Kriminalität herbeiführen.

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