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Literatur

29. Januar 2016

Matthias Beltz: Die drei Stützen des Abendlandes

 Von Christoph Schröder
Kabarettist Matthias Beltz.  Foto: epd

Ein Beltz-Abend im Literaturhaus Frankfurt ist böse, pointiert, zeitlos komisch.

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Matthias Beltz sei, so sagte es FAZ-Redakteur Lorenz Jäger in seiner launigen Einführung, der einzige Mensch gewesen, der die Zeilen „Love me tender“ und „unconditional surrender“ (also: bedingungslose Kapitulation) in einem Gedicht habe unterbringen können. Und einer, der aus den derzeitigen Enthüllungen („Zwei Männer, eine Frau und Katzen: NSU. Zwei Frauen, ein Mann und Hunde: RAF“) gewiss Funken hätte schlagen können.

Matthias Beltz, das ist die gängige Floskel, sobald die Rede auf ihn kommt, fehlt. Dass daran sogar auch abseits persönlicher Bindungen etwas dran sein könnte, stellte der Abend im Frankfurter Literaturhaus unter Beweis, den Beltz’ Frau und Nachlassverwalterin Christiane Meyer-Thoss konzipiert hat; eine Revue von Texten des 2002 verstorbenen Kabarettisten, die der Schauspieler Christoph Pütthoff anlässlich Beltz’ 71. Geburtstag ziemlich brillant vortrug. Versteht sich, dass die Veranstaltung ausverkauft war. Zahlreiche Weggefährten hatten sich eingefunden.

Die erstaunliche Erkenntnis: Nur ganz wenige von Beltz’ Texten, ganz gleich, wie alt sie sind, müffeln nach besserwisserischem linkem 20.-Jahrhundert-Humor. Die meisten sind böse, pointiert und zeitlos komisch, weil sie vor allem auch glänzend formuliert und überraschend gedacht sind. Geschichtsphilosophische Betrachtungen treffen auf Alltagsbeobachtungen; gewagte Zusammenhänge werden einfach mal so hergestellt und zumindest augenblickhaft glaubhaft gemacht. Beltz, Jahrgang 1945, sei, so Jäger, ein „durch Kämpfe sozialisierter Mensch“ gewesen. Der Kabarettist selbst wiederum behauptete von sich, er sei als Oberhesse gewohnt, permanente Tapferkeit ohne Feindberührung zu demonstrieren. Und wenn wir schon in Hessen sind: „Frankfurt und Offenbach sind zwei schwarze Löcher, die geheiratet haben, um die Welt auf ihr Niveau herunterzuziehen.“ Und schon 1998 entstand der Reim „Wir lieben die Fremden mit sauberen Händen“, dem die Bemerkung vorgeschoben ist: „Mit dem allgemeinen Hin und Her wird es so schnell nicht zu Ende sein.“ „Völkerwanderung“, so heißt der Beitrag.

Auch um die Verteidigung des Abendlandes hat Beltz sich bereits rechtzeitig Gedanken gemacht. Zu dessen Stütze hat er die drei tragenden Säulen der Kultur ausgemacht: „Hochzeit, Mahlzeit, Freizeit“. Angestoßen wurde nach der Lesung standesgemäß im Matthias-Beltz-Zimmer im ersten Stock des Literaturhauses, gestaltet von Tobias Rehberger und Michael Callies. Eine insgesamt wohltuend nostalgiefreie Angelegenheit.

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