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Michael Palins "Europareise": Wenn die Weiße Bruderschaft tanzt

Michael Palin wurde als Mitglied von Monty Python bekannt. Aber es gibt auch den Reise-Schriftsteller Palin, der macht kaum Scherze. Man sollte also keine falschen Erwartungen haben an sein jüngstes Buch.

Der Reisebuch-Autor Michael Palin.
Der Reisebuch-Autor Michael Palin.
Foto: Malik-Verlag

Michael Palin wurde als Komiker bekannt, als einer der herrlich respektlosen Monty Pythons, als hinreißender Stotterer in "Ein Fisch namens Wanda". Aber es gibt einen anderen Palin, der ist Reise-Filmer und -Schriftsteller, außerdem seit kurzem Präsident der altehrwürdigen Royal Geographical Society. Und dieser Palin macht kaum mal ein Scherzchen - man sollte also keine falschen Erwartungen haben an sein jüngstes Buch.

Das heißt auf deutsch schlicht "Europareise", was leider in die Irre führt: "New Europe" ist der angemessene Originaltitel, denn Palin hat all die Länder im Osten bereist, die das neue alte Europa bilden oder gern bald dazu gehören würden: Slowenien, Albanien, Bulgarien unter anderem, die Türkei, Serbien, die Ukraine, Polen, Tschechien, schließlich den Osten Deutschlands. 68 Stationen hatte die Reise, deren erster Zweck eine BBC-Fernsehserie war, später machte Palin aus seinen täglichen Notizen das Buch.

Das Buch

Michael Palin: Europareise. Wie ein Engländer einen alten Kontinent neu entdeckt. Aus dem Engl. von Ulrike Frey. Malik-Verlag 2009, 400 S., 22,95 Euro.

Es ist ein Vor- und ein Nachteil für seine kleinen Länderberichte - besonders ausführlich ist keiner -, dass Palin kein normaler Reisender ist. Die BBC-Redaktion hat Treffen vorbereitet mit manchmal kuriosen, manchmal in ihren Ländern berühmten Menschen - einem alten Pantomimen, einem exaltierten Schlagersternchen, Lech Walesa, der Universellen Weißen Bruderschaft, die in Bulgarien just auf einem Berg tanzt, als die BBC vorbei kommt. Alltagsschilderungen sind das keine, und der Ertrag an politischen Erkenntnissen ist auch gering.

Doch ist Palin ein wacher Beobachter und gebildeter Mensch. Und schafft es einfach nicht, aus einer Begegnung mit Lech Walesa oder mit einem rumänischen Unternehmer namens George "Gigi" Becali keine interessanten Informationen herauszuholen. Und sei es die, dass der alte Arbeiterführer ein furchtbar autistischer, mürrischer Mensch ist.

Michael Palin erzählt also im Grunde Reise-Dönkes, und diese Dönkes sind immer dann am spannendsten, wenn einem das Land, von dem er erzählt, gänzlich fremd ist. Ein seltsames Flughafengebäude im ukrainischen Lwiw (Lemberg), mit Bergarbeiter-, Schweißer- und Jungfrauen-Statuen zwischen klassischen Säulen - wie schön, dass uns einer davon berichtet. Ein Mercedes-Benz-Autohaus und ein sowjetischer Panzer - letzterer zur Zierde - an den Straßen von Tiraspol, Transnistrien: Wenn der Leser nicht weiß, dass es Transnistrien überhaupt gibt, wird er den größten Nutzen aus Michael Palins Buch ziehen.

Der nächste gute Schritt wäre: hinfahren in diese exotischen Fernen und selbst gucken.

Autor:  Sylvia Staude
Datum:  21 | 7 | 2009
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