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Literatur

22. Januar 2016

Neue Ausgabe : "Mein Kampf" zu Wucherpreisen verkauft

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Das Angebot kommt hinter der Nachfrage nicht her, darum jetzt auch hochpreisig im Internet gehandelt: Die kommentierte Ausgabe von "Mein Kampf".  Foto: epd

Die kritische Ausgabe von Adolf Hitlers „Mein Kampf“ ist bereits vor dem Erscheinungstag vergriffen, Händler verlangen auf Ebay und Amazon astronomische Preise. Das teuerste Exemplar kostet mehr als 500 Euro.

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Am 9. Januar erschien die sogenannte kritische Ausgabe von Adolf Hitlers Bestseller „Mein Kampf“. Herausgegeben hat die fast 2000 Seiten umfassende Edition, in der Hitlers Hassschrift mit einem Präservativ von Aberhunderten von Anmerkungen umhüllt ist, das Münchner Institut für Zeitgeschichte. Die Erstauflage von 5000 Exemplaren war bereits vor dem Erscheinungstag verkauft. Die zweite Auflage ist versprochen, aber noch nicht in Sicht. 59 Euro kostete die Erstauflage.

Die Nachfrage nach ihr treibt jetzt seltsame Blüten. Am Freitag konnte man um 12.40 Uhr fünf Exemplare via Amazon kaufen. Das billigste Angebot lag bei 210 Euro. Es stammt von einem sich Scoddy nennenden Verkäufer, über den Amazon schreibt: „Tut uns Leid: Die Web-Adresse, die Sie eingegeben haben, gibt es auf unserer Website nicht.“ Scoddy ist völlig neu in dem Gewerbe. Er weiß nichts von der Buchpreisbindung. Sonst würde er nicht einfach nur „Neu“ hinschreiben.

Die anderen Anbieter schreiben „Gebraucht – wie neu“ oder „Sammlerstück – wie neu“. Auch bei den gebrauchten Exemplaren steht dann aber doch „originalverschweißt“. Bei allen scheint es sich um Privatleute zu handeln, denen es irgendwie gelungen ist, eines der begehrten Exemplare zu bekommen und die es jetzt möglichst teuer verkaufen wollen. Es scheint zu klappen. Zwei der Exemplare, die am Mittwoch noch zu haben waren für weit über 200 Euro, werden am Donnerstag nicht mehr angeboten.

Die Gesetze der Marktwirtschaft

Wo das Angebot deutlich kleiner ist als die Nachfrage, entsteht ein Schwarzmarkt. So belehrt uns das Institut für Zeitgeschichte mit seiner Hitler-Ausgabe, noch bevor wir sie in der Hand haben, auch über die Gesetze der Marktwirtschaft. Das billigste Angebot lag gestern, wie gesagt, bei 210 Euro. Das teuerste bei 549,99 Euro. Ich bin sehr gespannt, ob es auch dafür einen Abnehmer geben wird. Je länger das Münchner Institut braucht, um die zweite Auflage unter die Leute zu bringen, desto mehr wird der Schwarzmarkt blühen.

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Am Freitag waren bei Ebay 28 Exemplare zu haben. Ein paar davon konnte man sofort kaufen, um die anderen stritten sich Bieter. Der billigste Sofortkauf lag bei 179 Euro, der teuerste bei 499 Euro. Es gab Gebote, die lagen bei unter 80 Euro, aber deren Auktion sollte noch über Tage gehen. Ob in den vergangenen 14 Tagen irgendein Exemplar für über 400 Euro den Besitzer gewechselt hat, weiß ich nicht. Es war aber ja schon immer etwas teurer, einen besonderen Geschmack zu haben. Den „Stern“ zum Beispiel vom 28. April 1983, in dem Kujaus Hitler-Tagebücher abgedruckt waren, bekommt man derzeit wohl nicht für weniger als 149 Euro.

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