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Wirtschaftskrimi "Letzte Schicht": Noch schnell was rausholen

Dominique Manottis famoser Wirtschaftskrimi "Letzte Schicht" vereint umfassende Sachkenntnis mit schreiberischer Raffinesse.

Letzte Schicht
Dominique Manotti: Letzte Schicht. Aus dem Französischen von Andrea Stephani. Ariadne Krimis, Argument Verlag 2010, 252 Seiten, 12,90 Euro.
Foto: Verlag

Guck mal an, möchte man nach Lektüre dieses Krimis sagen: Es geht! Nämlich einen spannenden und literarisch anspruchsvollen Roman zu schreiben über die Machenschaften von Firmenbossen. Denn Wirtschaftskriminalität wird zwar zunehmend zum Krimithema, aber meist lesen sich diese Bücher zäh, sind die Figuren bloße Vehikel für eine Handlung, die ihrerseits konstruiert wirkt.

Die Französin Dominique Manotti aber bringt umfassende Sachkenntnis – die 1942 Geborene war Gewerkschafterin, als Professorin lehrte sie Wirtschaftsgeschichte – zusammen mit schreiberischer Raffinesse. Zur Grundlage ihrer 2006 in Frankreich erschienenen Geschichte hat sie die Privatisierung des Rüstungs- und Elektrokonzerns Thomson gemacht. Überraschend stoppte im Dezember 1996 das Pariser Wirtschaftsministerium den Verkauf, bei dem Lagardère/Daewoo angetreten war gegen Alcatel – und bereits den Zuschlag erhalten hatte.

Wie es zu dem plötzlichen Sinneswandel gekommen sein könnte, das erzählt Dominique Manotti so knapp wie andererseits lebensprall in „Letzte Schicht“. Zwei Hauptfiguren gibt es: Die resolute, clevere Arbeiterin Rolande und den mit allen Wassern gewaschenen Ex-Polizisten und nun Versicherungsermittler Montoya. Der möchte mal wieder einen interessanten Auftrag erhalten – nun, sein Wunsch geht in Erfüllung, als Alcatel ihn engagiert, um „Probleme“ bei Lagardère auszugraben. Diskret, versteht sich.

Eine Qualität des Buches macht es aus, dass auch alle Nebenfiguren sofort plausibel werden, angefangen von der Arbeiterin Aisha, die unter ihrem strengen Vater leidet (aber sie will sich doch endlich entjungfern lassen), bis zum koreanischen Manager, der noch schnell was für sich selbst rausholen will. Dominique Manotti macht um nichts viele Worte – andere würden bei einer so komplexen Handlung das Doppelte schreiben –, aber sie macht die richtigen. Und die Übersetzerin Andrea Stephani hat sie im Deutschen gefunden.

Autor:  Sylvia Staude
Datum:  18 | 8 | 2010
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