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Preis der Literaturhäuser: Ein Fremdenführer im besten Sinne

Er wirbt für Autoren, die ohne seine Hilfe kaum die Chance bekommen, in den Blickpunkt der Öffentlichkeit zu geraten. In Frankfurt hat er den Preis der Literaturhäuser entgegengenommen: Ilija Trojanow. Von Christoph Schröder

Der Schriftsteller Ilija Trojanow ist ein Mann, der seine Popularität ausnutzt, um Werbung zu machen. Das tun viele, und sie bekommen eine Menge Geld dafür. Im Falle von Trojanow ist das ein wenig anders - er wirbt für Autoren, die ohne seine Protektion kaum die Chance bekommen dürften, in den Blickpunkt der deutschen Öffentlichkeit zu rücken; für Autoren aus Afrika, Asien oder Lateinamerika.

Unter anderem diese Vermittlertätigkeit hat dem 1965 in Bulgarien geborenen und 1972 mit seinen Eltern nach Kenia ausgewanderten Trojanow nun doch auch finanziellen Nutzen gebracht: Der Preis der Literaturhäuser, der ihm auf der diesjährigen Leipziger Buchmesse zugesprochen wurde, ist mit 11.000 Euro und einer Lesereise durch die der Initiative literaturhaus.net angeschlossenen Institutionen verbunden.

Die Auszeichnung würdigt unter anderem eine außergewöhnliche Qualität in der Präsentation des eigenen Werks. Davon allerdings bekam man bei der Preisverleihung in Frankfurt keinen Eindruck, denn Trojanow hat die Gelegenheit einmal mehr genutzt, um einen Schriftstellerkollegen mitzubringen und ins rechte Licht zu setzen: Abdulrazak Gurnah, "einer der wichtigsten Autoren Afrikas" (wie es immer heißt, wenn ein Autor aus Afrika auftritt), geboren in Sansibar und heute Literaturprofessor an der Universität von Kent, Verfasser von sieben Romanen, von denen immerhin fünf ins Deutsche übersetzt sind. Dass das eher ungewöhnlich ist, unterstrich Holger Ehling in seiner Laudatio auf Trojanow, den er als "einen Fremdenführer im besten Sinne" charakterisierte, der dem viel postulierten "Kampf der Kulturen" eine deutliche Absage erteile.

Ein Engländer in Malindi

Im Anschluss lasen Trojanow, der einst auch als Verleger afrikanischer Literatur fungierte und spätestens mit "Der Weltensammler" im Jahr 2006 als Romanautor bekannt wurde, und Gurnah im Wechsel deutsche und englische Passagen aus Gurnahs jüngstem Roman "Die Abtrünnigen". Es sind zwei Liebesgeschichten in zwei unterschiedlichen Epochen, die darin erzählt werden. Die Lesung konzentrierte sich auf eine davon: Im Jahr 1899 taucht in der kenianischen Stadt Malindi ein Mann auf, der aus der Wüste kommt; ein Engländer, verwildert, ausgezehrt und halbtot. Ein einheimischer Ladenbesitzer nimmt den Mann auf und pflegt ihn; seine Schwester Rehanna verliebt sich in den Unbekannten - eine Liebe, die gegen alle Normen des kolonialisierten Landes steht. Die Komik, die der Roman dabei auch entfaltet, trat in jener Szene hervor, in der Rehanna zum Leidwesen ihres Bruders einen Heiratsantrag nach dem anderen zurückweist.

Dass afrikanische Literatur sich in Deutschland nicht durchsetze, wie Ehling beklagte, mag sein und hin und wieder auch gute Gründe haben. Der unstete Ilija Trojanow wird weiterhin dagegen anreisen und anschreiben.

Autor:  CHRISTOPH SCHRÖDER
Datum:  19 | 6 | 2009
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