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Literatur

17. März 2016

Preise für Vesper und Schöffling: Vesper gewinnt Preis der Leipziger Buchmesse

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Ausgezeichnet für sein jüngstes Werk "Frohburg": Guntram Vesper auf der Leipziger Buchmesse.  Foto: dpa

Der Frankfurter Verlag Schöffling und Guntram Vesper zählen zu den großen Gewinnern beim Leipziger Buchpreis. Vesper erhält für sein bei Schöffling veröffentlichtes Werk „Frohburg“ den Belletristik-Preis. Sein Verlag fährt noch einen zweiten Preis ein.

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Der Frankfurter Verlag Schöffling & Co., der Mut und Drang zum nicht nur bedeutenden, sondern auch umfangreichen Buch sowie ältere Männer: Sie hatten enorm die Nase vorn bei der Vergabe der Preise der Leipziger Buchmesse 2016.

Er hätte auch doppelt so viel schreiben können (das wären dann über 2000 Seiten gewesen), sagte vorab Guntram Vesper, Jahrgang 1941, der für sein Opus magnum „Frohburg“ in der Kategorie Belletristik ausgezeichnet wurde und Schreiben seine „Lebensform“ nannte. Er habe dann aber ein Einsehen gehabt. Auch hatte er einen hilfreichen Verleger, der „dieses endlose Zwiegespräch zwischen mir und den Fakten“ als Großwerk erkannte.

Frohburg, gleich bei Leipzig

Frohburg liegt bloß 37 Kilometer von Leipzig entfernt und ist mit der S-Bahn erreichbar, wie Vesper berichtete und damit heute oder spätestens morgen in einer wahrhaft literaturbegeisterten Welt eigentlich einen Pilgerstrom auslösen müsste. Hier verbrachte der Schriftsteller einen Teil seiner Kindheit. 1956 ging die Familie in den Westen. Davon erzählt er direkt und indirekt, natürlich wie soeben ausgesprochen, dabei immer wieder auch penibel wie festgenagelt an einem bestimmten Punkt und dann an einem anderen. Ausgreifend außerdem in ferne Vergangenheit, in die eigene Vergangenheit, aber auch in die Gegenwart eines Schriftstellers. Das Banale des Alltags steht neben dem auf seine Weise ja auch Banalen von Karl May und dem weniger Banalen aus 1001 Nacht. Von der „Ästhetik des Verknüpfens“ sprach Juror Dirk Knipphals.

Der Kern, betonte Vesper vorab erneut, sei die Erfahrung, dass all die Geschichten, die ihm in frühester Kindheit und aus frühester Kindheit vorgebetet worden seien, sich als unwahr erwiesen hätten. Erst das eigene Erzählen habe zu wahreren Geschichten geführt. Im Verhältnis zu den vier anderen nominierten Titeln – von denen sonst wohl wie 2015 der Lyrik-Beitrag, von Monika Poschmann, die stärkste Wahl gewesen wäre – kann man in diesem Jahr (und zum zweiten Mal in Folge nach dem Deutschen Buchpreis für Frank Witzel) sagen: Das vermutlich für den Autor wichtigste und damit hoffentlich für den Leser triftigste Buch hat gewonnen. Vesper, dessen Teilnahme an der Buchmesse aus gesundheitlichen Gründen lange offen war, sagte, er könne sich nur herzlich bedanken.

Ein zweites Opus magnum aus dem Schöffling Verlag – ebenfalls von einem Umfang, der noch vor kurzem als geschäftsschädigend angesehen worden wäre – war zuvor in der Kategorie Übersetzung ausgezeichnet worden. Brigitte Döbert übertrug den Roman „Die Tutoren“ des Serben Bora Cosic (heute 83, zur Buchmesse angereist), dieses gewaltige Stück „Balkan-Avantgarde“ (Jurorin Maike Albath), diesen „Achttausender“ (Juror Burkhard Müller). Nicht Lichtjahre von „Frohburg“ entfernt, erzählt er eine Cosic’sche Familiensaga auf dem Terrain, das zwischendurch Jugoslawien hieß. Döbert musste nicht nur Tonlage und Tonfall ständig variieren, sondern auch unter anderem 60 Seiten lang reimen, was das Zeug hielt. Eine grandiose Passage, an sich schon einen Preis wert.

Georg Forster (1754-1794) ist erst aus heutiger Sicht alt, seinerzeit war er sogar schockierend jung, als er auf Weltreise mit James Cook ging und später die Mainzer Republik ausrief. Für sein Buch „Georg Forster. Freiheit und Naturgewalt“ (Matthes & Seitz, denn die großen Verlage gingen in Leipzig leer aus) bekam Jürgen Goldstein den Preis in der Kategorie Sachbuch. Der Koblenzer Philosophieprofessor hatte aber schon vorab erklärt, den Preis mit seinem Helden Forster teilen zu wollen, den er als „ungelesenen Klassiker“ im Buch ausführlichst zu Wort kommen lässt. Nicht umsonst, erklärte Jurorin Meike Feßmann, sei er aber bei Forster in die Leere gegangen für diesen „Abenteuerroman eines Lebens voller Erkenntnisse, die bis heute gültig sind“.
Mit je 15 000 Euro sind die Preise der Leipziger Buchmesse dotiert.

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