Der 2009 im Alter von 81 Jahren verstorbene Raymond Federman konnte Buchstaben und Sätze zum Tanzen bringen. Seine Bücher, die er seit den sechziger Jahren veröffentlicht hat, waren zuweilen ebenso sehr grafische Kunstwerke wie literarische.
Federman, der 1928 in Paris geboren wurde, dem Holocaust um Haaresbreite entkam und in den USA ein neues Leben begann, war ein Kind der Avantgarde. Als Autor befeuerte er das, was postmoderne amerikanische Literatur genannt wird: Texte, in denen man das Gleichgewicht verlieren kann, in denen die Realität sich in einer spielerischen Sprache aufzulösen beginnt, in denen die so genannte Wahrheit einem grundlegenden Skeptizismus weicht und das Ernste leicht daherkommt.
So verwunderte es ein wenig, als Federman 1985 einen für seine Verhältnisse recht konventionell erzählten Roman veröffentlichte: "Smiles On Washington Square" ist die Liebesgeschichte von Moinous und Sucette, einem in die USA emigrierten Franzosen, der sich mit Gelegenheitsjobs durchschlagen muss, und einer von der Ostküste stammenden höheren Tochter, die literarische Ambitionen hegt und zumindest zeitweise auch politische Ideale.
Die beiden begegnen sich eben an jenem Washington Square: ein Blick, ein Lächeln und schon nimmt die Liebe ihren Lauf. Aber Federman kann auch in "Eine Liebesgeschichte oder so was" - wie der deutsche Titel lautet - nicht ganz aus seiner Haut: Was es mit dieser Liebe auf sich hat, ob sie sich nur auf einem Blatt Papier abspielt, das Sucette mit einer Erzählung füllt, oder in der Vorstellung von Moinous, das wird gar nicht so klar.
Federman hat in diesem doppelbödigen Roman, der schon einmal Ende der achtziger Jahre auf Deutsch und nun in einer überarbeiteten Übersetzung von Peter Torberg neu erschienen ist, auf sein Leben zurückgegriffen - wie in vielen seiner Bücher. Er erzählt auf hinreißende Weise vom Unwahrscheinlichsten und Naheliegendsten, von der Liebe, und er versäumt es dabei nie, auf die Fiktionalität des Erzählten hinzuweisen. Das macht diesen Roman zu einem besonderen. Man kann sich in ihm verlieren und sich zugleich immer wieder darin finden.