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Seyran Ates' neues Buch: Ein Zerrbild

Islamische Theoretiker und Theoretikerinnen wie Khaled Abou El Fadl, Abdullah Ahmed An-Na´im, Siti Musdah Mulia, Aina Wadud, Ali Asghar Engineer und Lily Zakiyah Munir, um nur einige zu nennen, haben längst Vorschläge für eine neue Interpretation der islamischen Quellen vorgelegt und werben für einen emanzipativen Islam.

Islamische Frauenorganisation wie die malaysischen "Sisters in Islam" oder transnationale Netzwerke wie "Women Living under Muslim Law" kämpfen nicht ohne Erfolg für die Umsetzung der UN-Agenda zur Abschaffung jeglicher Diskriminierung von Frauen, die mittlerweile von fast allen islamischen Länder ratifiziert wurde.

Seyran Ates erwähnt solch positive Entwicklungen in ihrem Buch durchaus, aber sie misst ihnen zu wenig Gewicht bei, und sie verfängt sich immer wieder in wenig hilfreichen Vermengungen zwischen einem undifferenziert gezeichneten Islam und den repressiven Strukturen muslimischer Migrantengemeinschaften in Deutschland.

Viele Muslime sehen Reformbedarf bei der Auslegung des Korans und der Sunna und engagieren sich für Frauenrechte innerhalb der islamischen Gemeinschaften. Sie lehnen es allerdings ab, den Islam unter Generalverdacht zu stellen und fühlen sich angegriffen, wenn ihre Religion auf ein misogynes Zerrbild reduziert wird. Anstelle eines groben Rundumschlags gegen die Religion wäre es der Sache dienlicher, denjenigen Gläubigen die Hand zu reichen, die selbst, mit oder ohne Kopftuch, daran arbeiten, ihre Religion so zu interpretieren und zu praktizieren, dass sie mit der Emanzipation der Frauen und einer offenen Gesellschaft vereinbar wird.

Ates selbst ist von diesen Akteurinnen gar nicht so weit entfernt, wie sie in ihren zornigen Schimpftiraden zu sein vorgibt. "Wer an Gott glaubt und seinen Verstand gebraucht", schreibt sie am Schluss ihres Buches, "kommt nicht umhin zu erkennen, dass die Herrschaft des Mannes im Namen der Religion und Unterdrückung der Frauen im Namen der Religion nicht von Gott gewollt, sondern von Menschen gemacht sind." Damit können sich sicherlich viele Muslime in aller Welt einverstanden erklären.

Seyran Ates: Der Islam braucht eine sexuelle Revolution. Eine Streitschrift. Ullstein Verlag, Berlin 2009, 288 Seiten, 19,90 Euro.

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Autor:  Susanne Schröter
Datum:  22 | 1 | 2010
Seiten:  1 2
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