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Silvia Bovenschens "Wer Weiß Was": Sagt man so?

Silvia Bovenschen, die zuletzt brillierte in einer Textsorte, die klug übers Älterwerden und übers Verschwinden nachdachte, legt nun "Eine deutliche Mordgeschichte" vor, die "Wer Weiß Was" heißt.

Silvia Bovenschen hat einen Kriminalroman geschrieben: Wer Weiß Was.
Silvia Bovenschen hat einen Kriminalroman geschrieben: "Wer Weiß Was".
Foto: dpa

Es ist Mode geworden, dass Autoren sich eine Ernsthaftigkeits-Auszeit nehmen (oder diese Arbeitsphase dafür halten), in der sie einen Kriminalroman schreiben. Manchmal haben sie damit so spektakulär Erfolg, dass sie sich fortan ganz dem Genre widmen, Matthias Altenburg alias Jan Seghers ist ein Beispiel. Andere, wie der Ire John Banville ("Die See"), der seine Mordgeschichten unter dem Namen Benjamin Black veröffentlicht, geben dem Genre tatsächlich neues literarisches Gewicht. Und wieder andere hatten hoffentlich ihren Spaß, sind´s zufrieden - und schreiben nächstes Mal was anderes.

Silvia Bovenschen, die zuletzt brillierte und berührte in einer Textsorte zwischen Essay und persönlicher Betrachtung, die so klug übers Älterwerden und übers Verschwinden nachdachte, legt nun "Eine deutliche Mordgeschichte" (Unterzeile) vor, die "Wer Weiß Was" heißt. Eigentlich aber ist dies ein Gesellschaftsroman, der in den gebildeten Ständen spielt, sich über Autoren, Lektoren, Professoren, Bibliothekare ein wenig lustig macht, indem er sie mit altmodischer Gepflegtheit, fast Geziertheit sprechen lässt.

Ein Übermaß an Texteinfügungen in Klammern, die man geneigt ist, als direkten Kommentar der Erzählerin zu nehmen, verstärkt den Eindruck des Augenzwinkerns, aber auch des Verkünstelten. Da vergleicht etwa eine noch ahnungslose Figur namens Molly ihren mittlerweile ermordeten Gast mit einem grämlichen Kritiker, "der seine Zeit in einem todlangweiligen (!) Theaterstück absitzen muss". Mit dem Ausrufezeichen stößt die Autorin die Leserin, die von dem Mord bereits weiß, gleichsam in die Rippen. Kurz darauf fragt sie: "(Sagt man so?)" Dann spezifiziert sie ein Schweigen der Figuren: "(Sagen wir: dreißig Sekunden)".

Außerirdische & Fremdkörper

Ein seltsames Spiel, das nur dem Nachdenken über Sprache selbst dienen kann. Silvia Bovenschen scheint in der Tat ihre (Krimi?)-Schreibkraft und -lust in sprachliche Eleganz gesteckt zu haben, in psychologische Beobachtungsschnörkel, in zum Philosophieren Gelegenheit gebende Science Fiction sogar - Außerirdische haben auf der Erde ein mysteriöses Kultur-Forschungsprojekt laufen, finden die Menschen dann aber nicht geeignet, weil selbstzerstörerisch. Ihre Dialoge schiebt sie dazwischen, sie bleiben ein Fremdkörper im Roman.

Die Mordgeschichte aber, die man "deutlich" nennen kann, insoweit zuletzt alles erklärt ist, lässt sich in einem Satz zusammenzufassen: Ein Professor namens Urlach wird erstochen aufgefunden. Scheinbar war er charmant, in Wahrheit skrupellos, was die Polizei bald erfährt und sich also ihren Motiv-Teil denkt. Wer am Abend zuvor ebenfalls auf Mollys Fest war, gehört irgendwie zu den Verdächtigen.

Mehr Raum aber bekommt die ironisch-geistreiche Schilderung von Beziehungsdingen: Schriftstellerin Carola Schauer (alias Carola Holm) findet den Kommissar attraktiv; der Privatgelehrte Pascal von Seefeld kuscht vor der Mama und ist heimlich schwul; der Bestseller-Autor Florian Kuhn baggert jede Frau an, interessiert sich aber eigentlich nur für Pferde; der Lektor macht sich Hoffnungen auf die Schriftstellerin.

"Wer Weiß Was" ist ein matter Krimi, wirkt manchmal wie eine Parodie - mag einige seiner Figuren aber dann doch zu sehr. Die Leserin übrigens auch. Wie wäre es als nächstes mit einem deutlichen Gesellschaftsroman?

Autor:  Sylvia Staude
Datum:  4 | 11 | 2009
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