Und was macht der Umzug des Suhrkamp- und Insel-Archivs nach Marbach? Zweidrittel bis Dreiviertel des Materials sind inzwischen im Deutschen Literaturarchiv eingetroffen, schätzt Direktor Ulrich Raulff. Weitere Lieferungen aus Berlin und auch aus Leipzig, dem ehemaligen Sitz des Insel-Verlages, werden erwartet.
Im Magazin III, wo die auf Wunsch des Suhrkamp Verlages unter dem Namen "Siegfried-Unseld-Archiv" geführte Sammlung auf 250 Quadratmetern unterkommen soll, ist zur Verzweiflung angereister Fotografen bisher allerdings wenig zu sehen. Meist leere Regalreihen, deren Beschriftung anzeigt, dass hier bis vor kurzem die Autorenbibliotheken untergebracht waren. Dazu in langen Reihen eine Kistenstadt. Mit 2100 beziffert Archivar Jan Bürger die Zahl der Umzugskartons.
Aufgemalte Signaturen und aufgeklebte Inhaltsangaben zeigen, dass die Archivierung aber bereits begonnen hat. "Auslandslizenzen Griechenland 2004 - 2005". "Lektorat Döring/Ahrend He-Z". Das laufe wohl auf 10 000 der grünen Marbacher Archivkästen hinaus, schätzt Bürger. Zum Vergleich: Ein durchschnittlicher Schriftstellernachlass komme auf 70 bis 100 Kästen.
Jetzt, so Bürger, gehe es zunächst darum, die Papiere wieder zu sortieren und sie besser zu sortieren, als es in der "gewachsenen" Sammlung in der Frankfurter Lindenallee am Ende natürlicherweise der Fall gewesen sei. Bürger erzählt vom berühmten "Kriechkeller" des Verlags, wo man zunächst nur "wertloses Zeug" erwartet habe. Die Prominenz der Autoren, deren persönliche Verbindung an den Verlag wie auch die einst tiefe Identifikation der Angestellten mit dem Unternehmen führe allerdings dazu, dass man praktisch an jeder Stelle die erstaunlichsten Entdeckungen machen könne. "Und dann hat man auf einmal einen Aichinger-Brief in der Hand."
Die frühen Gäste im neuen Archiv konnten sich zum Beispiel ein altes Modell des Suhrkamp-Messestandes anschauen (ungefähr wie heute), eine Mappe mit Autorenbeiträgen, die Uwe Johnson zu Siegfried Unselds 50. Geburtstag organisiert hatte, oder Max Frischs "Stiller"-Typoskript, das noch nicht mit dem Satz "Ich bin nicht Stiller" beginnt.
Ein Jahr dürfte es den Marbachern zufolge dauern, bis das Archiv aufgestellt ist, vier bis fünf Jahre, bis dann eine erste Feinerschließung abgeschlossen wäre. Anfragen sollen, sofern möglich, ab sofort bearbeitet werden. Kleine Ausstellungen sollen das Geschehen fürs Publikum greifbarer machen: "Suhrkamps großer Süden" wird die erste Schau heißen und die einstigen lateinamerikanischen Literaturentdeckungen des Verlags dokumentieren.