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Literatur

23. März 2016

Umberto Eco: Außer Konkurrenz

 Von 
Umberto Eco 1981 in Mailand.  Foto: imago/Leemage

Ungewöhnlich: Der Schriftsteller Umberto Eco hat in seinem Testament verfügt, dass sich kein öffentliches Ereignis mit ihm und seinem Werk befassen soll – bis 2026 mindestens.

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Schon zu Lebzeiten hatte es Umberto Eco in seinen Seminaren vor Studenten mehr oder weniger scherzhaft angekündigt. Nun hat er es im Testament festgelegt. Mindestens zehn Jahre lang, also bis 2026, soll sich kein wissenschaftliches Symposium, kein Studientag und überhaupt kein öffentliches Ereignis mit ihm und seinem Werk befassen, so der Wunsch des Mitte Februar im Alter von 84 Jahren verstorbenen italienischen Schriftstellers, Denkers und Semiotikers.

Ecos Witwe Renate Ramge habe das der Leiterin der von ihm gegründeten und geleiteten Schule für humanistische Studien an der Universität seiner Heimatstadt Bologna übermittelt, berichtete die italienische Nachrichtenagentur Ansa am Mittwoch. Dort sei bereits ein internationales Symposium zu Eco in Vorbereitung gewesen, schreiben italienische Zeitungen.

Eco war seit 1975 Professor für Semiotik, der Zeichentheorie, an der Universität Bologna und schrieb dazu ein bis heute gültiges wissenschaftliches Standardwerk. Berühmt wurde er durch seinen Bestseller-Roman „Der Name der Rose“. Kurz vor seinem Tod hatte er noch mit anderen Autoren einen eigenen, unabhängigen Verlag gegründet, La Nave di Teseo. Dort erschien postum inzwischen sein letztes Werk, eine Sammlung von Kolumnen unter dem Titel eines Verses von Dante Alighieri „Pape Satan Aleppe“. Es erreichte aus dem Stand Rekordverkaufszahlen.

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Die akademische Welt Italiens hat seinen letzten Willen durchweg positiv aufgenommen. Er wird als letztes Zeichen seiner Genialität und seiner feinen Ironie betrachtet. „Wir werden seinen Wunsch ohne Zweifel respektieren“, versicherte der Rektor der Universität, Francesco Ubertini. Ihm habe das Anliegen ein Lächeln entlockt. „Ich glaube, es verdeutlicht gut Ecos Persönlichkeit.“ Vorgänger Ivano Dionigi, ein enger Freund Ecos, erklärte, der Autor zeige damit, dass er einer anderen Kategorie angehört habe, „außer Konkurrenz“.

Eine letzte, leise Kritik

Man könnte auch eine große Portion Eitelkeit dahinter vermuten – die eines Mannes, der seine Ausnahmestellung selbst über den Tod hinaus betonen möchte und der die Deutungshoheit über sich erst einmal behalten will. Nicht zuletzt schwingt aber auch eine leise Kritik an der Welt der Wissenschaft und Forschung darin mit. An der Flut der Worte, der Veröffentlichungen, der Symposien, der Würdigungen.

Man darf im Übrigen Zweifel daran haben, dass Ecos Wunsch auch im Rest der Welt geachtet werden wird.

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