Dass auch die klugen Menschen mit der Liebe nicht fertig werden, ist immer wieder ein Trost. Diesmal liefern ihn Mary Gerold (1898-1987) und Kurt Tucholsky (1890-1935), die sich so mochten und so auf die Nerven gingen, die sich solche Vorwürfe machten und doch wieder arrangierten, die so einsam waren zusammen und den anderen so vermissten, wenn er nicht da war. Er verguckte sich nach eigenem Bekunden sofort, drängte sich dem jungen Mädchen derart auf, dass es nur gut ausgehen konnte, weil er gewitzt war und sie helle und darum empfänglich dafür. Es ging ja auch nicht lange gut. Zwischendurch heiratete er eine andere.
Der Berliner Publizist Klaus Bellin setzt das in seinem Buch „Es war wie Glas zwischen uns“ geduldig auseinander. Der Titel gehört (leicht abgewandelt) zu jenen Zitaten, die demonstrieren, wie einfach es für Tucholsky war, schön über eine unglückliche Beziehung zu schreiben, und wie schier unmöglich, eine glückliche Beziehung zu führen.
Seine zweite Frau, später Ex-Frau und noch später Erbin war ihm darin ebenbürtig. Mary Gerold kennt man wohl als Hüterin des Tucholskyschen Grals unter besonderer Berücksichtigung des Wegschiebens weiterer Beziehungen und Affären. Hier lernt man sie auch als gescheite Partnerin und Schreiberin flapsiger und skurriler Briefe kennen. Bellin lässt sich durch die Zweisamkeit nicht davon abbringen, auch von Mary allein und Kurt allein zu berichten, von den Zeitläuften sowieso. Nicht zuletzt entsteht ein lebhaftes Doppelporträt, in dem wir abwechselnd von der einen und dem anderen etwas erfahren – und zwar vor allem dem anderen, Berühmteren. So ist das in Beziehungen.
Am Ende steht eine milde Ernüchterung, die das Motto zu Beginn schon ahnen ließ: „Aber immer ist die Zeit stärker als die Liebe“, heißt es in „Schloss Gripsholm“. So weise sind die Dichter, und so wenig hilft es ihnen.