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Literatur

01. Mai 2015

William McIlvanney Laidlaw: Ei essen, Federn schmecken

 Von 
William McIlvanney, 2013.  Foto: Iain McLean

Die großartige Laidlaw-Trilogie von William McIlvanney wird neu aufgelegt und sollte endlich die Aufmerksamkeit bekommen, die sie verdient. McIlvanneys Werk, darunter Romane, Kurzgeschichten, Lyrik, ist überschaubar. Sorgfalt geht ihm offenbar allemal vor Schnelligkeit.

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William McIlvanneys Trilogie um den Glasgower Polizisten Jack Laidlaw war auch im englischen Original nur noch antiquarisch zu erhalten, bis 2013 der Verlag Canongate sie wieder auflegte. In Deutschland wurde der Antje-Kunstmann-Verlag aufmerksam. Vergangenes Jahr erschien dort „Laidlaw“, jetzt „Die Suche nach Tony Veitch“, im Herbst soll „Falsche Treue“ folgen. McIlvanney, geboren 1936 und auf Fotos mit einer erheblichen Ähnlichkeit zu Clark Gable, hat 2013 Andeutungen gemacht, er werde womöglich noch einen Laidlaw-Roman schreiben. Aber sein Werk (Romane, Kurzgeschichten, Lyrik) ist so überschaubar, dass ihm Sorgfalt offenbar allemal vor Schnelligkeit geht.

Er ist ein writer’s writer, so unterschiedliche schottische Krimiautoren wie Ian Rankin, Denise Mina, Val McDermid berufen sich vehement auf ihn. Umstritten ist, wer ihm einst das Etikett „Tartan Noir“ aufdrückte – es lockt jedenfalls auf eine falsche Regionalkrimi-Fährte. Weit treffender ist die Zusammenfassung von Canongate-Verlegerin Francis Bickmore: „Raymond Chandler trifft Albert Camus“.

Angeblich taten sich die Kritiker schwer, „Laidlaw“ 1977 nicht als den unerklärlichen Abstieg eines Autors zu sehen, der zuvor „literarische Romane“ vor allem über die Arbeiterschicht verfasst hatte, der er selbst entstammt. Nun, auch McIlvanneys Krimis sind literarisch. Zu Hochprozentigem sind Sprache und Figurenzeichnung destilliert, die Handlung läuft so mit.

Die Suche nach Tony Veitch. Kriminalroman. Dt. v. Conny Lösch. Kunstmann. 318 S., 19,95 Euro
Die Suche nach Tony Veitch. Kriminalroman. Dt. v. Conny Lösch. Kunstmann. 318 S., 19,95 Euro

Anders als in „Laidlaw“ weiß der Leser in „Die Suche nach Tony Veitch“ jedoch nicht von Anfang an, wer der Mörder ist. Es gibt hier sogar mehrere Spannungsstränge, da ein Gauner erstochen und ein Penner vergiftet wurde – obwohl letzterer dem Trinkertod schon nahe war – und da außerdem der junge Mann des Titels verschwunden ist.

Trotzdem wird hier keine straffe Ermittlung durchgezogen von Detective Jack Laidlaw und dem ihn wie ein treuer Hund hütenden Brian Harkness. Eher mäandern sie, stören Leute auf, die vielleicht etwas wissen, bringen Anspannung mit „in zuvor recht angenehme Räume“. Es gilt, sich notfalls schlecht zu benehmen, um den Toten einen letzten Dienst zu erweisen. Laidlaw ist bereit.

Und die letzte Fluse aufheben

Auch dazu, die Balance zu stören, die sich in Glasgow zwischen der Unterwelt und der Polizei entwickelt hat. Nein, korrupt sind Laidlaws Kollegen nicht, sie haben sich bloß das Leben ein wenig einfacher gemacht. Während er noch die letzte Fluse aufhebt und jede Zeile liest, die er aus der Hand des fürs Leben und die „wahre Moral“ brennenden Studenten Tony Veitch finden kann. Etwa: „Ich bin der / der sich kratzt bevor es juckt / Das Wetter in die Wohnung bringt / Das Schwein am Speck erkennt / Ein Ei isst und Federn schmeckt“. Wer einer Figur solche Gedichte schenkt, sollte mehr als nur kurz mal wiederentdeckt werden.

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