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Literatur

11. Februar 2011

Wo Maier und Meyer zuhause sind

 Von Christoph Schröder

Die gemeinsame Lesung zweier „Heimatdichter“

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Nein, selbstverständlich nicht nur der Namen wegen. Das wäre ein bisschen zu billig gewesen. Und eigentlich mag Thomas Rosenlöcher gar keine Doppelpack-Lesungen, weil das Können des Einzelnen unterzugehen droht. Und doch hat der aktuelle Stadtschreiber von Bergen-Enkheim zwei Autoren zu einem gemeinsamen Abend in die Nikolauskapelle eingeladen; zwei, die unterschiedlicher kaum sein könnten: Meyer und Maier. Clemens Meyer, 1977 in Halle geboren und in Leipzig aufgewachsen, mit einem Schlag durch seinen Debütroman „Als wir träumten“ bekannt geworden. Und Andreas Maier, dessen zweiter Vorname Clemens lautet, zehn Jahre ältere als Meyer, bekennender Wetterauer und Heimatschriftsteller. Das sei, so Rosenlöcher, im Übrigen der Ausgangspunkt gewesen: Dass er in einer Rezension gelesen habe, dass Maier neben Stadler und Kurzeck (beide waren bereits Stadtschreiber von Bergen) der obsessivste Heimatdichter der Gegenwart sei. „Da war ich“, sagt Rosenlöcher, „in meiner Ostehre verletzt.“ Bei Clemens Meyer, der „die Leipziger Bronx als Lebensweise erfunden hat“, fühlt Rosenlöcher sich mitunter an Wolfgang Hilbig (auch ein ehemaliger Stadtschreiber, nun tot) erinnert.

Andreas Clemens Maier las zum Auftakt seine neue „Neulich“-Kolumne vor, die er für die Zeitschrift „Volltext“ verfasst. Es ging, versteht sich, um die Wetterau, den Selbstmord Hermann Burgers am Tag einer geplanten Lesung in Friedberg und den Selbstmordversuch Karl Gutzkows im Friedberger Hotel Trapp. Die Kolumnen bilden bei Maier den Nukleus zum aktuellen Roman „Das Zimmer“, aus dem er anschließend vorlas. Man wird sich an das „zünftige Frühstück“ erinnern, das im Jahr 1969 Usus war, Henninger Bier, Sliwowitz, Paprikawürste, und an Sätze wie „Die eigene Todesart war meistens die eigene Lebensart“.

Clemens Meyer wiederum löste Rosenlöchers Heimatgedanken ein, indem er einen Text aus seinem 2009 erschienenen Tagebuch „Gewalten“ vortrug, der den Titel „Auf der Suche nach dem Sächsischen Bergland“ trägt – eine Suche, die bereits im zum Multifunktionssupermarkt umgebauten Leipziger Hauptbahnhof ihr Ende findet, wo der Erzähler mit einem toten Freund aus alter Zeit mindestens ein Bier trinkt und sich fragt, wohin die ganzen Tauben im Bahnhof verschwinden. Einen hessisch-sächsischen Heimatdialog zwischen beiden Autoren gab es im Anschluss an die Lesungen bedauerlicherweise nicht. Die Texte, wie man so schön sagt, mussten für sich sprechen. Stark genug dafür waren sie.

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