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Zwei neue Ausgaben des Koran: Von den Schönhandelnden

Zu den Koran-Ausgaben von Ahmad Milad Karimi und Muhammad Asad: Wer den Koran verstehen will, dem hilft die Karimi-Ausgabe nicht. Die von Asad ist wenigstens verständlich. Von Arno Widmann

Zwei Neuübersetzungen sollen den Koran verständlicher machen - nicht nur für Gläubige.
Zwei Neuübersetzungen sollen den Koran verständlicher machen - nicht nur für Gläubige.
Foto: rtr

Es sind gerade zwei neue Koranausgaben erschienen. Die dritte, die auch diesen Herbst erscheinen sollte, die Neuübersetzung durch den in Erlangen-Nürnberg lehrenden Hartmut Bobzin, einen der besten deutschen Korankenner, wird leider erst im Frühjahr 2010 herauskommen.

Also an dieser Stelle nur kurz etwas zu den Ausgaben von Ahmad Milad Karimi und Muhammad Asad. Wer den Koran verstehen will, dem hilft die Karimi-Ausgabe nicht. Sie ist der Versuch, Gläubigen ein Heiliges Buch zur Verfügung zu stellen. Hier wird so getan, als verfügte der Leser über einen siebten Sinn, der ihm diesen sehr fremden Text aufschließt.

Die Ausgaben

Muhammad Asad: Die Botschaft des Koran - Übersetzung und Kommentar, Patmos Verlag, 1262 Seiten, 44 Euro.

Ahmad Milad Karimi: Der Koran, vollständig und neu übersetzt, mit einer Einführung herausgegeben von Bernhard Uhde, Herder Verlag, 576 Seiten, 49,95 Euro.

Man nehme den ersten Satz der zweiten Sure. Bei Karimi liest sich das so: "Dies die Schrift, darin kein Zweifel, Rechtleitung für die Gottesfürchtigen, die glauben an das Verborgene, verrichten das Gebet und von dem spenden, was Wir ihnen beschert, und die an das glauben, was auf dich herabgesandt und was von dir herabgesandt und die gewiss sind übers Jenseits." Bei Asad liest sich derselbe Abschnitt so: "Diese göttliche Schrift - keine Zweifel soll es darüber geben - ist (dazu bestimmt), eine Rechtleitung für alle Gottesbewussten (zu sein), die an (die Existenz dessen) glauben, was jenseits der Reichweite der menschlichen Wahrnehmung ist, und beständig das Gebet verrichten und für andere von dem ausgeben, was Wir ihnen als Versorgung bereiten...."

Nicht schön, aber verständlich

Schön klingt das nicht. Aber es ist wenigstens verständlich. Allein zu diesem kurzen Abschnitt gibt es vier Fußnoten, die die einzelnen Begriffe klären. Eine Seite der Asad-Übersetzung besteht aus dem arabischen Original, der deutschen Übersetzung und den entsprechenden Anmerkungen. Die Idee, der Koran sei ein Buch, das man einfach so lesen könne, lässt diese Ausgabe gar nicht erst aufkommen.

Karimi dagegen tut so, als liefere er die Schönheit des arabischen Originals. Aber sie wird niemandem in dieser Übersetzung aufgehen. Stattdessen stolpert der Leser auf jeder dritten Seite über ihm völlig unverständlich bleibende Sätze. In der 12 Sure stößt man zum Beispiel auf die Wendung "die Schönhandelnden". Bei Asad sind es die, "die Gutes tun". Schönhandeln klingt poetischer, aber ist es auch näher am arabischen Original? Karimi klärt einen darüber nicht auf. Er klärt überhaupt nicht auf.

Die Asad-Übersetzung ist allerdings die Übersetzung einer Übersetzung. Muhammad Asad, 1900 in Lemberg als Sohn einer Rabbiner-Familie geboren, konvertierte 1926 in Berlin zum Islam. Er wurde ein Freund Ibn Sauds und lebte lange in Saudi Arabien. Seine Familie wurde in Hitlers Konzentrationslagern umgebracht. Asad verbrachte den Zweiten Weltkrieg in einem britischen Internierungslager in Indien. Danach war er an der Gründung Pakistans beteiligt. An seiner Übersetzung des Korans ins Englische arbeitete er 17 Jahre. 1992 starb Muhammad Asad in Andalusien.

Seine Koranübersetzung ist - angesichts der Lebensgeschichte des Verfassers - eines der zentralen Dokumente der Geschichte des zwanzigsten Jahrhunderts. Asads "Der Weg nach Mekka" ist ebenfalls dieses Jahr im Patmos-Verlag erschienen.

Autor:  Arno Widmann
Datum:  23 | 10 | 2009
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