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Lions gewinnen in der Verlängerung: Ein Akt der Befreiung

Erst durch einen verzweifelten Kraftakt haben die Lions eine Krise verhindert und trotz eines Zwei-Tore-Rückstandes im Schlussabschnitt den Tabellennachbarn ERC Ingolstadt mit 5:4 in der Verlängerung besiegt.

Erst durch einen verzweifelten Kraftakt haben die Lions eine Krise verhindert und trotz eines Zwei-Tore-Rückstandes im Schlussabschnitt den Tabellennachbarn ERC Ingolstadt mit 5:4 in der Verlängerung besiegt.

Obwohl beide Teams vor der Partie punktgleich waren, konnte die statistische Konstellation kaum unterschiedlicher sein. Während die Gäste den treffsichersten Angriff (65) haben, sind die Lions das Team mit dem wenigsten Gegentore. Oder die "Specialteams": Ingolstadt hat das beste Powerplay (27,8 Prozent), die Lions das drittschlechteste, sind dafür aber in Unterzahl Dritter. Ein Kampf der Systeme, wenn man so will.

Das 1:0 (7.) für die Lions resultierte allerdings weniger aus den statistischen Besonderheiten. Bestenfalls einer neuen Spezialität der Lions, Tore in Unterzahl. Denn in ein Powerplay der Gäste spritzte Kapitän Eric Schneider. Über rechts zog er zum Tor, passte dann aber zurück auf Nick Angell, dessen Treffer schon das dritte Unterzahltor der Lions in den vergangenen vier Spielen war.

Als die Lions danach erneut in Unterzahl gerieten, wurde es erneut brandgefährlich für die Gäste. Schneider und Young scheiterten jeweils nur haarscharf. Kurios: In den vergangenen sechs Spielen haben die Lions häufiger in Unter- als in Überzahl getroffen. Dabei kann man den Lions nicht vorwerfen, dass sie etwas Grundlegendes im Powerplay falsch machen würden. Sie schießen, sie passen, sie arbeiten vor dem Tor. Doch besonders die Rebounds kommen nicht auf den eigenen Schläger. Das ist zum einen Pech, aber es fehlt auch am entscheidenden Timing. Dieses Timing ist natürlich auch eine Frage des Selbstvertrauens, wie es etwa Ingolstadt im Überzahlspiel hat.

Der 1:1-Ausgleich fiel zwar nominell nicht mehr in Überzahl, doch Thomas Oppenheimer war noch nicht wieder ins eigene Drittel geeilt, als Ben Clymer einen Abpraller einschob. Die Powerplayschwäche ist deshalb so gravierend, weil sich die Lions dadurch ihre Tore viel härter erarbeiten müssen. Nach der 2:1-Führung durch ein Tor von Simon Danner (28.) machten die Lions enorm viel Druck, viel mehr als in Überzahl, aber gegen fünf Feldspieler ist es auch schwerer durchzukommen. Und die Gäste zeigten, wie das geht: Powerplay, 2:2 (39.). Thomas Greilinger hatte vom linken Bullypunkt flach ins kurze Eck geschlenzt, Torhüter Ian Gordon sah dabei nicht gut aus. Dieses Glück, auch mal von einem Patzer zu profitieren, hatten die Lions nicht.

Im Gegenteil, durch Fehler im Spielaufbau luden sie den ERC auch zu Toren ohne Powerplay ein. Binnen 38 Sekunden zu Beginn des Schlussdrittels (44.) trafen Bellissimo und Kavanagh mit einem Doppelschlag jeweils durch 2-1-Konter nach Frankfurter Scheibenverlust. Eine Hypothek, an der Lions fast zu zerbrechen drohten. Doch dann, Aleksander Polaczek hatte nach 51 Minuten das 3:4 erzielt, gelang den Lions 18 Sekunden vor Schluss nicht nur der Ausgleich - und das auch noch in Überzahl, Jeff Ulmer stocherte die Scheibe irgendwie über die Linie. Ein Akt der Befreiung und die Lions nahmen den Schwung mit in die Verlängerung, wo Angell in der 64. Minute den kaum noch für möglich gehaltenen Siegtreffer markierte.

Autor:  Matthias Kittmann
Datum:  2 | 11 | 2009
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